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Bundestags-Kandidaten im Interview: Andreas Mehltretter (SPD) aus Freising. Das Gespräch zum Nachlesen und Anhören.

(ty) Im hiesigen Wahlkreis will er bei der Bundestagswahl am 24. September für die SPD das Direkt-Mandat erringen. Er möchte, dass Politik weiter in die Zukunft gerichtet ist, macht sich stark für mehr soziale Gerechtigkeit. Bei Investitionen in die staatliche Infrastruktur, in bezahlbaren Wohnraum und schnelles Internet sieht er gehörigen Nachholbedarf. Bei der Energiewende im Verkehrs-Bereich sei man zuletzt „grandios gescheitert“, kritisiert er. Andreas Mehltretter ist 25 Jahre alt, kommt aus Freising und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter.

 

Im Interview mit pfaffenhofen-today und Radio "Ilmwelle" beklagt Mehltretter eine „soziale Schieflage“ in Deutschland: Viele stünden heute nicht besser da als vor 20 Jahren, dabei sollte Politik seiner Meinung nach doch für alle sein. Er fordert Steuer-Entlastungen und Reformen auf dem Arbeitsmarkt. Wolfgang Schäuble (CDU) sieht er als „keine gute Besetzung“ auf dem Posten des Bundesfinanzministers, denn der habe es nicht geschafft, solide zu wirtschaften. „Solide zu wirtschaften würde heißen, nicht nur auf Geld herumzusitzen, so wie er es macht, sondern auch weiter in die Zukunft zu schauen“, sagt Mehltretter.  

Viel Zeit wurde in seinen Augen verloren, die Dinge anzugreifen, die hätten gemacht werden müssen. Gerade ein Wechsel im Finanzministerium wäre „immens wichtig“, damit die Sozialdemokraten das durchsetzen könnten, wofür sie wirklich stünden. Die SPD habe einiges erreicht, etwa den Mindestlohn, sagt der 25-Jährige. Mit dem Durchsetzen einer „grundlegend anderen Finanzpolitik“ sei man in der großen Koalition aber „leider gescheitert“.

Mehltretter glaubt indes nicht, dass alle Parteien, die bei der Bundestagswahl antreten, wirklich die Zukunft gestalten wollen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) propagiere „kaum Lösungen“, moniert er, sie stehe eher für das Verwalten. Und andere Parteien wollen seiner Einschätzung nach eher Jahrzehnte zurück. 

 

Hier hören Sie das Interview mit Andreas Mehltretter.

„Da ist in den letzten Jahren sehr viel liegen geblieben, was gemacht werden hätte müssen“, sagt er mit Blick auf Investitionen, etwa im Bereich Straßenbau und beim erhalt staatlicher Liegenschaften. Man sei in den vergangenen Jahren „zu oft nur auf Sicht gefahren“  und habe Investitionen auf die lange Bank geschoben. Man schleppe nun eine riesige Investitionslücke mit.  

Was die Energiewende auf dem Verkehrs-Sektor angeht, sei man „grandios gescheitert“, so Mehltretter. Man werde die Klima-Ziele wohl auch deshalb verfehlen, weil man es – trotz der Veränderungen im Strom-Bereich – beim Verkehr nicht geschafft habe, den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß auch nur ein bisschen zu verringern. Förderung und technologischer Fortschritt, so lauten hier seine Schlagworte. Und der Preis für regenerative Energieträger muss seiner Ansicht nach auf das Niveau von Sprit sinken. 

 

Der junge Sozialdemokrat ist sich nach eigenen Worten nicht sicher, ob sich die CSU so klar darüber sei, was sie selbst unter Leitkultur verstehe. Für Mehltretter bedeute Leitkultur zunächst einmal eine „Kultur der Umgangsformen, des Benehmens“, damit das Zusammenleben weiterhin gut funktioniere. Als Basis sieht er hier das Grundgesetz, das es in seinen Werten hochzuhalten gelte. Wenn man das allen Menschen mitgeben könne, sei schon ein großes Stück Integration geleistet. Am täglichen Zusammenleben könne man sehen, ob Integration gelinge. 

Ins Bewusstsein rücken will Mehltretter, was die Europäische Union (EU) schon alles gebracht habe. Allen voran seien es Jahrzehnte des Friedens sowie die Tatsache, dass Konflikte am Verhandlungstisch gelöst werden. „Eine große Errungenschaft“, betont er. Aber auch die offenen Grenzen innerhalb der EU und die gemeinsame Währung führt er an. Trotzdem dürfe man die Augen nicht davor verschließen, dass es auch Probleme gebe. In manchen EU-Ländern sieht er die Demokratie „auf wackligen Füßen“, daraus ergäben sich große Herausforderungen. Zudem schwebt ihm ein „sozialeres Europa“ vor. 

„In Bayern hat man’s als Sozialdemokrat noch schwieriger als bei anderen Parteien“, sagt er. Aber, auch das unterstreicht er: In der Demokratie komme es darauf an, dass alle Menschen vertreten sind. Das sagt er auch mit Blick auf sein eigenes Alter von 25 Jahren. Er halte es für wichtig, dass „neue Perspektiven“ und „auch jüngere Perspektiven“ in den Bundestag kommen. 

Der Freisinger macht sich Gedanken über die fortschreitende Digitalisierung und die sich daraus ergebenden Fragen nach den Rechten der Arbeitnehmer vor diesem Hintergrund. „Ein Kampf gegen die technischen Möglichkeiten ist zum Scheitern verurteilt“, sagt er. Aber man könne durch Gestaltung und kluge Regelungen auch die Errungenschaften – wie etwa das Recht auf Nicht-Erreichbarkeit – in das digitale Zeitalter hinüberzuretten.

 

Beim Ausbau des schnellen Internets ist seiner Meinung nach zu wenig passiert. Hätte da die SPD in der großen Koalition mehr anschieben müssen? Nein, da sehe er keine großen Versäumnisse seiner Partei, sagt Mehltretter. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) habe „sein eigenes Süppchen gekocht“ und hier – wie auch in anderen Bereichen – „nicht viel vorwärts gebracht“. Mehltretter hofft deshalb, dass die Sozialdemokraten mit einem starken Signal aus der Bundestagswahl gehen. 

„Auch wenn's unserer Region sehr gut geht, haben wir trotzdem auch noch Menschen, die Probleme haben.“ Das dürfe man nicht vergessen, „wenn wir wirklich für alle Politik machen wollen“. Die Frage nach dem bezahlbaren Wohnraum mache in der Region allen zu schaffen, „das durchzieht alle Bevölkerungsschichten“. Außerdem verweist er auf das tägliche Verkehrs-Chaos auf manchen Straßen und die Überlastung des öffentlichen Personennahverkehrs. 

Homepage des Kandidaten: www.andreas-mehltretter.de


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