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Aus gesundheitlichen Gründen trat Herbert Nerb (FW) nicht mehr zur jüngsten Wahl an. Während seiner Amtszeit wurde die Infrastruktur der Gemeinde deutlich verbessert.

(ty) Wenn's im übertragenen Sinne brennt, ist er zur Stelle. Bis zum Schluss. So wundert es einen nicht, dass der Manchinger Bürgermeister Herbert Nerb (FW) auch wenige Tage vor dem aus gesundheitlichen Gründen selbst gewählten Ende seiner 18-jährigen Amtszeit nur schwer zu erreichen gewesen ist. Ganz wie es seine zupackende Art ist, möchte er angestoßene Dinge am liebsten selbst zu Ende bringen. Und das sind viele. Mit Nerb als Rathaus-Chef hat die heute rund 13 500 Einwohner zählende Markgemeinde mit ihren keltischen und römischen Wurzeln eine bemerkenswerte Aufwärts-Entwicklung erlebt und ist dank moderner Unternehmen zu einem Hightech-Standort geworden. Die Infrastruktur wurde mit Millionen-Investitionen entscheidend verbessert, was sich für die Bürger in mehr Lebensqualität auszahlt. Wie er seine Kommune nach vorne gebracht hat und warum er schon im vergangenen Herbst entschieden hat, dass jetzt der richtige Zeitpunkt sei, sich nach insgesamt 36 Jahren aus der Gemeinde-Politik zu verabschieden, erläutert der 60-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

Stets sei es sein Bestreben gewesen, "im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten das Beste für den Markt Manching und seine Bürgerinnen und Bürger zu geben", sagt Nerb, der sich seit 1. Mai offiziell auch Altbürgermeister nennen darf, rückblickend. Leiten lassen habe er sich dabei von zwei Wahlsprüchen. Erstens: "Helfe jedem Einzelnen, wenn es der Allgemeinheit nicht schadet." Und zweitens: "Mit dem Reden macht man d'Sach aus." Die 18 Jahre als Gemeinde-Oberhaupt seien, "eine wirklich schöne, wenn auch nicht immer ganz leichte Zeit" gewesen. Viele Projekte habe er nur mit sehr viel Kraftaufwand und guten Nerven meistern können. Dass sich Manching heute "auf einem sehr guten Weg in die Zukunft" befinde, sei einer großen Gemeinschafts-Leistung zahlloser haupt- und ehrenamtlicher Akteure zu verdanken.

Vor rund einem Jahr hatten die Vorbereitungen zur Errichtung dieser zweiten Paar-Brücke im Ortsbereich begonnen; kürzlich wurde der so genannte Brückenschlag vollzogen und gefeiert.

Die Kommunalpolitik ist Nerb in die Wiege gelegt. Schon Urgroßvater und Großvater bekleideten in Manching das Amt des Bürgermeisters. Sein Vater gehörte viele Jahre dem Gemeinderat an. In diesen wurde auch Herbert Nerb bereits mit 24 Jahren gewählt, ehe er 2008 erstmals zum Rathaus-Chef gekürt wurde. Die Liste der Neubauten beziehungsweise neuen Projekte, die während seiner Amtszeit realisiert oder zumindest angefangen wurden, ist lang. In der aktuellen Ausgabe des "Manchinger Anzeiger" sind aufgezählt: Ortszentrum mit Wasser-Fontänen und Paar-Terrasse, Neubau Bibliothek/Mediathek, Hallenbad-Umbau zum Freizeit- und Familienbad, Bau beziehungsweise Erweiterung von vier Kindertagesstätten, Neubau Bürgerhaus, Neubau (Erweiterung) Senioren-Anlage, Neu-/Anbau Feuerwehrhäuser, Neubau Wasserwerk, Errichtung zweite Paar-Brücke, Ausweisung diverser Wohnbau-Flächen, neues Einkaufs-Zentrum "Manching-Ost", Technologie-Park und Grundstücks-Vorbereitungen für Gymnasium.

Der größte Eingriff ins Ortsbild und zugleich auch die wichtigste Modernisierung sei die Schaffung eines neuen Orts-Zentrums gewesen, betont der neue Altbürgermeister. Sieben Jahre Bauzeit in verschiedenen Abschnitten bedeuteten erhebliche Belastungen und Einschränkungen, doch könne man mit dem Erreichten hochzufrieden sei, sagt Herbert Nerb. Wenn er die neue Mitte beschreibt, kommt er regelrecht ins Schwärmen. Angetan hat es ihm vor allem die dreistöckige neue Bibliothek – "die größte und schönste im ganzen Landkreis", wie er sagt.

Im vergangenen Monat erfolgte der symbolische Spatenstich für die Erschließung des Technologieparks in Manching.

Im Gemeinde-Gebiet gibt es nach seinen Schätzungen derzeit etwa 9000 Arbeitsplätze, dennoch finde sich die Kommune im Vergleich zu anderen Kommunen im Landkreis Pfaffenhofen bei den Gewerbesteuer-Einnahmen nur in der Mitte wieder. Laut den Berechnungen der Verwaltung komme man trotzdem in seinen 18 Jahren Amtszeit auf eine Investitions-Summe mit einem Gesamt-Volumen von rund 100 Millionen Euro, so Nerb. Dabei seien Projekte, die weniger als 50 000 Euro gekostet haben, gar nicht einberechnet. Rund 55 Prozent von den genannten 100 Millionen Euro habe man mit Zuschüssen von Bund und Freistaat finanzieren können, berichtet der FW-Politiker von seinem stetigen Bemühen, Geldquellen für die Ortsentwicklung aufzutun.

16 Jahre lang sei es unter seiner Regie gelungen, ohne Schulden auszukommen. Jetzt habe die Kommune zwar rund drei Millionen Euro Schulden, doch auch einen entsprechenden Gegenwert durch Baugrundstücke. Jedenfalls übergebe er seinem Nachfolger Klaus Neumayr genauso "saubere Finanzen" wie er sie seinerzeit vor 18 Jahren vorgefunden habe. Der CSU-Politiker Neumayr hatte sich, wie berichtet, in der Stichwahl um den Bürgermeister-Posten mit 59,4 Prozent der Stimmen klar gegen Adolf Engel von den Freien Wählern durchgesetzt, der auf 40,6 Prozent kam. Was die finanziellen Möglichkeiten angeht, liege Manching im Vergleich zu den anderen 18 Kommunen im Kreis Pfaffenhofen im Mittelfeld, so die Einschätzung Nerbs. Doch in den nächsten Jahren werde es zunehmend schwieriger, finanziell gut über die Runden zu kommen. Nerb wörtlich: "Hurra braucht niemand zu schreien."

Die Übergabe der Ernennungs-Urkunde zum Altbürgermeister erfolgte im Rahmen der Abschieds-Feier für Herbert Nerb. Der neue Rathaus-Chef Klaus Neumayr überreichte sie und würdigte die besonderen Verdienste seines Amtsvorgängers. 

In der Landkreis-Politik mit einer überschaubaren Zahl von Sitzungen pro Monat will der FW-Politiker weiter mitmischen, vor allem, wenn es um seine Leib- und Magen-Themen Hochwasserschutz und Gymnasium-Neubau geht. Doch 60 oder mehr Wochenstunden sollen für den 60-Jährigen, der vor seiner Bürgermeister-Zeit selbstständiger Maschinenbau-Techniker war, von nun an der Vergangenheit angehören. Wie er bereits im Oktober vorigen Jahres angekündigt hatte, werde er auf den Rat seiner Familie und seiner Ärzte hören. Seine Knie machten zunehmend Probleme. Deswegen habe er "die Reißleine gezogen".

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