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Zwei Gemeinde-Oberhäupter wurden regelrecht aus dem Amt gejagt, einem Ex-Bürgermeister gelang ein filmreifes Comeback. Der Posten bleibt eine Männer-Domäne. Ein Blick in die Kommunen und auf die Hintergründe.

(ty) Was bleibt von den jüngsten Bürgermeister-Wahlen im Kreis Pfaffenhofen im Gedächtnis hängen? Aufgrund örtlicher Besonderheiten fallen die Antworten darauf sehr unterschiedlich aus. Doch lassen sich beim Blick auf die Ergebnisse drei zentrale Feststellungen treffen. Erstens: Die Zeiten, in denen ein Rathaus-Chef selbst nach mehrfachem Vertrauens-Beweis durch die Bürger davon ausgehen kann, dass ihn der Posten bequem bis zum Ruhestand trägt, sind längst vorbei. Das zeigen die aktuellen Beispiele von Scheyern und Wolnzach. Zweitens: Ein besonders ausgeprägter Wechsel-Wille ist aber nicht festzustellen. In zehn der 17 Kommunen, in denen Bürgermeister-Wahlen anstanden, wurden die jeweiligen Amtsinhaber bestätigt – einige traten von sich aus nicht mehr an. Und Drittens: Frauen auf den Chef-Sesseln in den Rathäusern auf Kreis-Ebene sucht man vergebens. Von den lediglich sieben Kandidatinnen, die in sieben Gemeinden zur Wahl angetreten waren, kam keine auch nur in die Nähe eines Wahl-Siegs.

Die Abgesägten 

Jens Machold (CSU), bereits seit dem Jahr 2008 in Wolnzach im Amt, und Manfred Sterz ("Unabhängige Wähler"), in der Kloster-Gemeinde Scheyern seit zwölf Jahren der Rathaus-Chef, ereilte, wenn auch mit unterschiedlichem Hintergrund, das gleiche Schicksal. Beide machten sich im Vorfeld freilich Hoffnung, ein Mandat für eine weitere Amtszeit zu erringen – beide erlebten allerdings ein Fiasko. Denn sie schafften jeweils nicht einmal die Qualifikation für die Stichwahl, was in beiden Fällen einer schallenden Ohrfeige gleichkam.

Mit gerade einmal gut 17 Prozent der Stimmen war für Machold bereits nach dem ersten Wahlgang der Traum, Bürgermeister von Wolnzach, zu bleiben, ausgeträumt. Lediglich 18 Prozent der abgegebenen Stimmen entfielen in Scheyern im ersten Wahlgang auf Sterz – Endstation! Wobei zumindest Sterz mit einer möglichen Abwahl hatte rechnen müssen, nachdem ihn die Freien Wähler erst gar nicht mehr zum Kandidaten nominiert, sondern stattdessen auf den aktuellen Dritter Bürgermeister (FW) gesetzt hatten. Sterz holte sich aber die erforderlichen Unterstützungs-Unterschriften, durfte somit trotzdem antreten – und erlebte eine herbe Pleite.

Die Wiedergewählten

Von den zehn Bürgermeistern, die im Amt bestätigt wurden, hatte einer personell den stärksten Gegenwind. Thomas Herker (SPD), der seit 18 Jahren die Geschicke im Pfaffenhofener Rathaus leitet und der auch von den Grünen ins Rennen geschickt worden war, musste sich der Konkurrenz von gleich fünf Mitbewerbern erwehren. Mit 49 Prozent wäre ihm beinahe das Kunststück gelungen, gleich im ersten Wahlgang alles klar zu machen. Doch auch in der Stichwahl zeigte sich, wie fest der Sozialdemokrat selbst drei Amtsperioden noch im Sattel sitzt. Achtungs-Erfolg mit 41,1 Prozent für seinen CSU-Herausforderer Markus Hartmann hin oder her – 58,9 Prozent sind für Herker unter den genannten Voraussetzungen ein klarer Vertrauens-Beweis.

Die übrigen neun wiedergewählten Rathaus-Chefs sind: Wolfgang Hagl (UWG) in Hettenshausen, Jürgen Haindl (Freie Wähler) in Hohenwart, Christian Keck (SPD) in Rohrbach, Michael Franken (JWU) in Reichertshofen, Josef Heigenhauser (CSU) in Schweitenkirchen, Paul Weber (USB) in Geisenfeld, Martin Seitz (CSU) in Gerolsbach, Helmut Bergwinkel (FUW) in Pörnbach und Georg Ott (CSU) in Ilmmünster.

Die Neuen

An neue Gesichter an der Rathaus-Spitze müssen sich die Bürgerinnen und Bürger in sieben Kommunen im Landkreis Pfaffenhofen gewöhnen. In Baar-Ebenhausen wurde Franz Sedlmeier (CSU) zum neuen Gemeinde-Oberhaupt gewählt – er tritt die Nachfolge von Ludwig Wayand (CSU) an, der nicht mehr kandidiert hatte. In Münchsmünster holte sich Wolfgang Reichart (CWG) den Posten – er beerbt Andreas Meyer (CWG), der sich ebenfalls nicht für eine weitere Amtszeit beworben hatte. In Vohburg folgt Andreas Amann ("Aktive Vohburger") auf Martin Schmid (SPD), der sich ebenfalls nicht mehr zur Wahl gestellt hatte. In Manching folgt Klaus Neumayr (CSU) auf Herbert Nerb (FW), der auch nicht mehr kandidiert hatte.

In Wolnzach tritt Simon Zimmermann (FW) die Nachfolge des von den Bürgern regelrecht aus dem Amt gejagten Jens Machold (CSU) an. In Scheyern folgt Johannes Baumeister (CSU / "Bürgerblock") auf den abgesägten Manfred Sterz ("Unabhängige Wähler"). Und in Ernsgaden übernimmt Karl Huber ("Ernsgaden miteinander" / Freie Wähler) den Posten von Hubert Attenberger (CSU), an dessen Stelle die Christsozialen diesmal Silvia Hartmann ins Rennen geschickt hatten. Wobei Karl Huber kein wirklich Neuer ist. Denn der 69-Jährige, der für die "Bürgerliste" aktuell das Amt des Vize-Landrats bekleidet, fungierte zuvor schon stolze 24 Jahre lang als Gemeinde-Oberhaupt von Ernsgaden – von 1996 bis 2020. Nun gelang ihm ein filmreifes Comeback.

Die Kandidatinnen

Im Freistaat an der Männer-Domäne Bürgermeister-Posten zu rütteln, ist außerordentlich schwer. Laut dem bayerischen Landesamt für Statistik waren vor der jüngsten Kommunalwahl nur etwa zehn Prozent der Rathaus-Chefs weiblich. Von hartem Ringen können sieben Frauen ein Lied singen, die mit Ambitionen angetreten waren, um in sieben Kommunen im Landkreis Pfaffenhofen die Vorherrschaft der Männer zu durchbrechen. Allesamt jedoch ohne durchschlagenden Erfolg.

Dennoch gebührt diesen Kandidatinnen der Respekt dafür, es zumindest versucht zu haben: Felicia Stolfig (Grüne) in Geisenfeld, Silvia Hartmann (CSU) in Ernsgaden, Brigitta Winkelmann (Grüne) in Baar-Ebenhausen, Petra Biberger (SPD) in Reichertshofen, Tanja Maier (SPD) in Wolnzach, Margareta Bauernfeind (Grüne) in Manching und Heidi Grund-Thorpe (BFS / SPD / Grüne) in Schweitenkirchen. Am nähesten dran war mit knapp 41 Prozent die CSU-Bewerberin Hartmann in Ernsgaden.


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