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Pfaffenhofen: Im ehemaligen Zählerprüfamt an der Ingolstädter Straße sollen mindestens 200 Asylbewerber einquartiert werden – die Stadt hat große Bedenken, kann sich aber eine zeitlich begrenzte Lösung vorstellen

(ty/zel) Das ehemalige Betriebsgebäude der Amperwerke an der Ingolstädter Straße in Pfaffenhofen, bekannt auch als Zählerprüfamt, könnte zu einer großen Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber werden. Der Antrag eines Geschäftsmanns auf Vorbescheid zur entsprechenden Nutzungsänderung liegt der Stadtverwaltung, wie berichtet, bereits vor und soll in der morgigen Sitzung des Bauausschusses behandelt werden. Das Thema sorgt seit Bekanntwerden der Pläne für rege Diskussionen. Die Stadtverwaltung hat sich deshalb – was durchaus bemerkenswert ist – bereits im Vorfeld zu Wort gemeldet.

Der Landkreis ist bekanntlich händeringend auf der Suche nach geeigneten Gebäuden für die Unterbringung von Asylbewerbern. Nach Aussage von Landrat Martin Wolf (CSU) würde man das Zählerprüfamt gerne anmieten und dort laut Stadtverwaltung „zunächst 200 Asylbewerber“ unterbringen – „wobei diese Zahl durchaus noch steigen könnte“, heißt es aus dem Rathaus.

Bei den Verantwortlichen der Stadt sieht man eine dezentrale Unterbringung der Asylbewerber in kleineren Einheiten wie bisher als erheblich sinnvoller an: „Lieber zehn Mal 20, als einmal 200“, betont Bürgermeister Thomas Herker (SPD) und zeigt sich deutlich überrascht von der aktuellen Ankündigung des Landkreises,  dass die Zahl 200 „erst ein Anfang“ sein könnte und auf Dauer womöglich noch viel mehr Asylbewerber in dem großen Gebäude an der Ingolstädter Straße untergebracht werden sollten.

Mit Hinweis auf die Zustände der Massenunterbringung, die in einigen großen Gemeinschaftsunterkünften bereits zu Problemen geführt haben, fordert Bürgermeister Herker, dass zumindest eine genügende Betreuung der Asylbewerber sichergestellt sein müsse,  wenn größere Einheiten unumgänglich würden.

Bedenken haben die Stadtverantwortlichen im konkreten Fall zudem mit Blick auf das Sportzentrum, das dem ehemaligen Zählerprüfamt direkt gegenüber liegt. Um hier Probleme mit dem Immissionsschutz auszuschließen, „kommt für die Stadt nämlich im näheren Umfeld von Eisstadion, Freibad und Sportstadion seit jeher keine  Wohnbebauung in Betracht“, wird nun noch einmal betont. Entsprechende Schritte der Bebauungsplanung hatte man daher schon im Jahr 2013 eingeleitet. In der morgigen Sitzung solle nun dem Bauausschuss vorgeschlagen werden, einen Bereich entlang der Ingolstädter Straße, der auch das Zählerprüfwerk umfasst, als Gewerbegebiet auszuweisen und damit eine Wohnbebauung auch in Zukunft auszuschließen. „Diese Planung soll zugleich durch eine sogenannte Veränderungssperre gesichert werden“, heißt es in der Mitteilung der Stadtverwaltung unmissverständlich.

Zugleich wird erklärt, dass damit aber hinsichtlich der angedachten Asylbewerber-Unterkunft „kein Nein unter allen Umständen“ verbunden sein müsse. Der Stadt sei die Notwendigkeit, der nach wie vor zunehmenden Flüchtlingsströme Herr zu werden, selbstverständlich bewusst, heißt es aus dem Rathaus. „Auch und gerade in der aktuellen Situation muss ein wesentliches Ziel die Integration der Asylbewerber in die örtliche Gemeinschaft sein.“ Nicht zuletzt hierfür habe die Stadtverwaltung die Schaffung einer städtischen „Koordinierungsstelle Integration“ vorgeschlagen, über die der Stadtrat morgen beraten wird. 

„Für die zeitlich begrenzte Zulassung einer Asylbewerber-Unterkunft an der Ingolstädter Straße in einem gebietsverträglichen Ausmaß sieht die Stadtverwaltung insofern durchaus die Möglichkeit, in einem städtebaulichen Vertrag zwischen Investor, Landkreis und Stadt die Rahmenbedingungen einer derartigen Unterkunft so festzulegen, dass eine ausnahmsweise Zulassung eines solchen Bauvorhabens in Frage kommen kann“, wird von der Stadtverwaltung erklärt. „Auf diese Weise ließe sich auch die von Landrat Wolf angekündigte enge Abstimmung mit der Stadt herbeiführen.“

Die Stadt sehe die Notwendigkeit, strebe allerdings eine "geordnete Entwicklung", erklärte Bürgermeister Herker via Facebook. "Die Äußerungen aus dem Landratsamt, dass 200 Personen nur der Anfang sein könnten, und eine Ausweitung (auf 300 oder gar 400 Personen?) folgen kann, irritiert." Weiter schreibt er: "Als Stadt sind wir gefordert die Unterbringung weiter konstruktiv zu unterstützen, ich plädiere aber dringend für eine gleichmäßige Verteilung in den Kommunen, in möglichst kleinen Einheiten, mit möglichst intensiver Betreuung und bitte das Landratsamt dringend, keine Planungen zu verfolgen, die Neuburger Verhältnisse befürchten lassen!"

Ausführlicher Bericht zum Thema:

Heim für 200 Flüchtlinge in Pfaffenhofen?


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