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Landratsamt: "Keine erhöhte Gefährdung der Bevölkerung." Menschen stecken sich äußerst selten an, doch fast alle Betroffenen sterben. Übertragung erfolgt über Feldspitzmäuse, die selbst nicht erkranken, den Erreger aber ausscheiden. Behörden raten zu Vorsichts-Maßnahmen.

(ty) Im Kreis Neuburg-Schrobenhausen ist erstmals eine Infektion mit dem "seltenen, aber lebensbedrohlichen" Borna-Virus (BoDV-1) nachgewiesen worden. Das wurde aus dem Landratsamt gemeldet. Die betroffene Person sei an den Folgen der Infektion verstorben. Die Erkrankung sei im Rahmen einer Obduktion festgestellt worden. "Aus Rücksicht auf die Angehörigen werden keine weiteren Angaben zur verstorbenen Person veröffentlicht", so die Behörde. Weiter heißt es: "Nach dem aktuellen Kenntnisstand besteht für die Bevölkerung keine erhöhte Gefährdung. Es handelt sich um einen äußerst seltenen Einzelfall. Weitere Erkrankungen sind im Landkreis derzeit nicht bekannt." Das Virus werde unter natürlichen Bedingungen nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Deshalb sei auch keine Nachverfolgung von Kontakt-Personen erforderlich.

"Der Todesfall ist tragisch und wir verstehen, dass er Fragen aufwirft. Nach aktuellem Kenntnisstand handelt es sich jedoch um einen äußerst seltenen Einzelfall", erklärt das Gesundheitsamt des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen. "Für die Bevölkerung besteht derzeit kein Anlass zu besonderer Sorge. Wichtig ist, die allgemeinen Vorsichts-Maßnahmen im Umgang mit Spitzmäusen einzuhalten." 

Die Behörde untersuche derzeit, auf welchem Weg sich die verstorbene Person infiziert haben könnte und sei in engem Austausch mit dem bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittel-Sicherheit (LGL). Im Kreis Pfaffenhofen an der Ilm waren – wie berichtet – im vergangenen Jahr zwei Personen infolge einer Infektion mit dem Borna-Virus gestorben; lesen Sie dazu: Tödliche Borna-Virus-Fälle in Pfaffenhofen: Auch der zweite Infizierte ist gestorben

Seit Einführung der Meldepflicht am 1. März 2020 wurden laut Landratsamt von Neuburg-Schrobenhausen dem Robert Koch-Institut (RKI) pro Meldejahr bis zu sieben akute Fälle einer BoDV-1-Enzephalitis gemeldet. Deutschlandweit seien bislang etwas mehr als 60 Infektionen registriert worden. Mehr als 90 Prozent der Fälle traten den Angaben zufolge in Bayern auf. Das Virus sei ursprünglich als Erreger einer Tierseuche bei Pferden, Schafen und anderen Säugetieren beschrieben worden. Erst seit dem Jahr 2018 sei bekannt, dass es auch beim Menschen schwere, meist tödlich verlaufende Gehirn-Entzündungen verursachen könne.

Das natürliche Virus-Reservoir sei die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon). "Infizierte Tiere scheiden das Virus unter anderem über Kot, Urin und Speichel aus, ohne selbst zu erkranken", so die Behörde. "Nach aktuellem Forschungsstand kann eine Übertragung auf den Menschen durch den Kontakt mit Feldspitzmäusen oder deren Ausscheidungen erfolgen. Der genaue Übertragungsweg ist bislang jedoch nicht bekannt und Gegenstand der Forschung." Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) komme das Virus in Feldspitzmäusen in weiten Teilen des Freistaats vor.

Feldspitzmäuse und deren Ausscheidungen können nach aktuellem Forschungsstand das Borna-Virus übertragen. (Foto: Henning Vierhaus, FLI)

Vorsichts-Maßnahmen

"Das LGL und weitere Fachbehörden empfehlen grundsätzlich, den Kontakt mit Spitzmäusen und deren Ausscheidungen zu vermeiden", erklärt das Landratsamt. Dabei sollten den Angaben zufolge folgende Vorsichts-Maßnahmen beachtet werden:

♦ "Lebende oder tote Spitzmäuse nicht mit bloßen Händen berühren. Hinweise zur sicheren Entsorgung toter Tiere sind auf der Internet-Seite des LGL verfügbar.

♦ "Werden Spitzmäuse im Wohn- oder Arbeitsumfeld festgestellt, sollten mögliche Nahrungs-Quellen beseitigt werden. Dazu gehören beispielsweise im Freien abgestelltes Hunde- oder Katzenfutter sowie Komposthaufen oder andere organische Abfälle.

♦ Orte, an denen Kontakt mit Ausscheidungen von Spitzmäusen möglich ist, sollten möglichst gemieden werden. Müssen dort Arbeiten durchgeführt werden – insbesondere mit Staub-Entwicklung –, sollten geeignete Hygiene- und Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Dazu zählen beispielsweise Schuppen, Garagen, Hecken, Steinmauern oder Straßen-Böschungen.

♦ Spitzmäuse sollten nicht als Haustiere gehalten werden."

Empfehlungen für die Beseitigung toter Spitzmäuse und die Reinigung

"Wird im Wohn- oder Arbeitsumfeld eine tote Spitzmaus gefunden – etwa nachdem sie von einer Katze ins Haus gebracht wurde –, sollte sie möglichst rasch und sicher beseitigt werden. Kontaminierte Flächen sollten anschließend mit einem handelsüblichen Haushaltsreiniger sorgfältig gereinigt werden." Dabei empfehle das LGL folgende Maßnahmen:

♦ "Einmal-Handschuhe tragen und bei Staub-Entwicklung möglichst einen eng anliegenden Mund-Nasen-Schutz oder eine FFP2- beziehungsweise FFP3-Maske verwenden.

♦ Die tote Spitzmaus und mögliche Ausscheidungen zunächst mit einem handelsüblichen Reinigungs- oder Desinfektionsmittel besprühen, um Staub-Entwicklung zu vermeiden.

♦ Die Spitzmaus mit einer über die Hand gestülpten Plastiktüte aufnehmen, die Tüte verschließen und über den Restmüll entsorgen.

♦ Nach staubigen Arbeiten duschen, die Haare waschen und getragene Kleidung waschen."

Woran erkennt man eine Feldspitzmaus?

"Spitzmäuse unterscheiden sich von echten Mäusen durch ihre deutlich spitzere Schnauze, ihre kleinen Augen und Ohren sowie ihren charakteristischen Geruch", wird dazu erklärt. "Die Feldspitzmaus ist insgesamt selten. Sie lebt vor allem auf Brachflächen, an Straßen-Böschungen, Steinmauern oder unter Hecken und ist überwiegend nachtaktiv. Kennzeichnend ist ihre zweifarbige Färbung mit einer graubraunen Oberseite und einer weißen Unterseite."

Weitere Informationen bietet das LGL im Internet unter diesem Link sowie in einem Flyer, der im Internet unter diesem Link abrufbar ist. Besorgte Bürgerinnen und Bürger können sich außerdem per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! mit dem LGL in Verbindung setzen.

Zum Hintergrund:

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