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Siebenjährige schaffte jüngst den Sprung in den Bayern-Kader. Bis zu 18 Stunden Training pro Woche plus Wettkämpfe verlangen ihr und der ganzen Familie viel ab.

(ty) "Das Eis macht mich glücklich." Luisa Istvan aus Rohrbach war gerade mal vier Jahre alt und stolperte mehr über das glatte Parkett, als ihr dieser Satz über die Lippen ging. Heute, drei Jahre und unzählige Trainings-Einheiten später, ist aus der blutigen Anfängerin eine ambitionierte Eiskunst-Läuferin geworden, die es mittlerweile zu den besten ihres Jahrgangs im Freistaat zählt. Der Anfang einer glänzenden Sportler-Karriere? Zumindest ist das nicht auszuschließen. Jedenfalls bescheinigt Trainerin Nelma Hede vom ERC Ingolstadt der 1,15 Meter kleinen Athletin Potenzial nach oben. Im Gespräch mit unserer Zeitung lobt die gebürtige Finnin vor allem Luisas Fleiß. Wie diese Erfolgs-Geschichte begann und was das für das Leben der Erstklässlerin und ihrer Familie bedeutet, davon handelt der folgende Beitrag.

Im positiven Sinne schuld an Luisas Werdegang ist ihre große Schwester Leonie. Die heute Zehnjährige machte 2023 einen Eislauf-Kurs in Pfaffenhofen. Doch mit ihrem Durchhalte-Vermögen war es nicht weit her. Nach zwei Einheiten gab sie auf. Stattdessen leckte Luisa Blut. Dass ihre Mutter Stephanie sie zu jung für den Sport befand und sie eigentlich nur auf dem Eis herumpurzelte, war der damals Vierjährigen egal. Als wollte sie es ihrer Schwester beweisen, biss sich Luisa durch und brachte ihre anfangs skeptischen Eltern dazu, mal bei einem Eiskunstlauf-Training in Ingolstadt zuzuschauen. "Sie wollte das unbedingt. Und sie ist dabei regelrecht aufgeblüht", erinnert sich Stephanie Istvan. Also stimmten sie und ihr Mann Andreas zu, ihre jüngere Tochter an einer Probe-Woche teilnehmen zu lassen.

Aus diesen Anfängen wurde schnell mehr. Die Trainer des ERC erkannten Luisas Talent und motivierten sie, das neue Hobby leistungsmäßig zu betreiben. Mittlerweile ist die Siebenjährige jeden Tag auf dem Eis und übt schon verschiedene Doppel-Sprünge. Sonntags ist meist trainingsfrei, es sei denn, ein Wettkampf steht an. Der anstrengendste Tag für Luisa ist der Freitag. Da wird gleich zwei Mal trainiert, frühmorgens um 6.30 Uhr, also vor der Schule, und dann nochmals am Nachmittag ab 15 Uhr. Unterm Strich absolviere Luisa ein wöchentliches Trainings-Pensum von 15 bis 18 Stunden, berichtet die dreifache Mutter. Für sie und ihren Mann bedeutet das regelmäßige Fahrdienste. Meist zwei Mal am Tag mit dem Auto die 22 Kilometer lange Strecke zwischen Rohrbach und Ingolstadt hin und zurück. Und obendrein noch die Wettkämpfe wie vor kurzem in Dresden, mit einer Übernachtung im Hotel.

"Unser Familien-Leben ist damit ganz schön durchgetaktet", erzählt Stephanie Istvan. Ohne genaue Aufgaben-Verteilung wäre das alles nicht zu schaffen. Die zeitliche Belastung ist das eine, Luisas Sport geht auch ins Geld. Benzin-Kosten, immer wieder neue, der jeweiligen Kür angepasste und maßgeschneiderte Kostüme, pro Saison ein bis zwei neue Schlittschuhe, von denen allein die speziellen Kufen rund 230 Euro kosten, auswärtige Übernachtungen, Melde-Gebühren für Wettkämpfe, Betreuungs-Geld für die Trainer – und das alles aus eigener Tasche. Da kommt ganz schön was zusammen. Doch die Familie nehme das Luisa zuliebe alles sehr gerne auf sich, beteuert Stephanie Istvan. Wenn dann Aussprüche wie "Die Eishalle ist mein zweites Zuhause" von der Siebenjährigen kommen, sei das Bestätigung genug.

Der Erfolg gibt der Grundschülerin recht. Erst vor Kurzem nahm sie an einem dreitägigen Sichtungs-Lehrgang in Oberstdorf teil. Leistungs-Tests in Ballett, Athletik und auf dem Eis – all das absolvierte Luisa so gut, dass sie, wie von ihr erträumt, in den Bayern-Kader aufgenommen wurde. "Über diese Nominierung haben wir uns alle riesig gefreut", sagt Mutter Stephanie. Auch wenn ihr natürlich klar ist, dass das nochmals größere Trainings-Umfänge nach sich ziehen wird. Der nächste Schritt wäre dann, vielleicht in ein paar Jahren, die Aufnahme in den Deutschland-Kader. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Erst einmal muss sich Luisa auf bayerischer Ebene beweisen.

Die Anlagen dafür habe sie, bestätigt ihre Haupt-Trainierin Nelma Hede, die früher selbst eine erfolgreiche Eiskunstläuferin war und als finnische Meisterin für ihr Heimatland und später auch für Deutschland an den Start ging. Ihrer Schülerin attestiert Hede außerordentlichen Fleiß. Sie versäume so gut wie keine Trainings-Einheit und zeige stets große Freude bei ihrem Tun. Die kommende Saison werde für Luisa kein Zuckerschlecken, meint die Trainerin. Denn sie starte eine Leistungs-Kategorie höher als bisher. Ziel sei die Teilnahme an den bayerischen Meisterschaften im November.

Und wie sieht die junge Sportlerin selbst ihre Situation? Dass die Ansprüche an sie steigen, sieht sie auf ihre kindliche Weise ziemlich gelassen. Wer Videos von ihren Auftritten anschaut, merkt, welche Energie in dem Mädchen steckt und mit welchem Eifer Luisa zu Werke geht. Gefragt nach ihren Spezialitäten, nennt sie ihre Ausstrahlung sowie die Sprünge "Axel" und "Doppel-Rittberger". Zu ihren Vorbildern zählt Luisa die russische Star-Eiskunstläuferin Alexandra "Sasha" Trusova. Und wovon träumt sie? "Von Olympia", schießt es aus der Siebenjährigen heraus. Das sei ihr großes Ziel.

Viel Freizeit bleibt ihr neben Eiskunstlauf und Schule – sie besucht die erste Klasse der Grundschule in Rohrbach – nicht. Ihre beste Freundin Julia sieht sie meist nur in der Schule. Die finde ihre sportlichen Ambitionen und dass sie es in den sozialen Medien schon zu einer kleinen Berühmtheit gebracht habe, "supernormal", berichtet die Siebenjährige im Gespräch mit unserer Redaktion. "Sie spielt Klavier und macht Leichtathletik, ich bewege mich halt gerne auf dem Eis."


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