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Nach dem unfreiwilligen Aus auf dem früheren Bunker-Gelände in Pfaffenhofen setzt der Verein "Hallertauer Regional" seine Arbeit nahe dem Gerolsbach-Park fort.

(ty) Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass mit dem Beschluss des Stadtrats, auf dem ehemaligen Bunker-Gelände in Pfaffenhofen einen Natur-Kindergarten zu errichten, nach zwölf Jahren praktisch das Ende des Inter-Kultur-Gartens (IKG) besiegelt worden ist. Doch die Betreiber des mehrfach ausgezeichneten Öko-Projekts gaben nicht auf. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Gerolsbach-Park fanden sie im Ortsteil Niederscheyern eine gut 3000 Quadratmeter große Alternativ-Fläche, auf der der freischaffende Künstler und scheidende Stadtrat Manfred "Mensch" Mayer ("Gemeinsam für Gemeinwohl") und seine Unterstützer ihre Naturschutz- und Bildungs-Arbeit fortsetzen wollen. Ende März war der neue Inter-Kultur-Garten eröffnet worden. Wie es zu diesem überraschenden Neuanfang gekommen ist und welche Ziele auf dem neuen Areal verfolgt werden, erklärt Mayer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Wie mehrfach berichtet, soll auf einem stattlichen Teil des früheren Bunker-Geländes eine von der Stadt betriebene Natur-Kindergarten-Gruppe angesiedelt werden, in der ab Herbst dieses Jahres 20 Buben und Mädchen betreut werden. "Hallertauer Regional", wie sich der Verein für nachhaltiges Wirtschaften und Betreiber des Inter-Kultur-Gartens unter dem Vorsitz von "Mensch" Mayer nennt, hatte sich mit einer Unterschriften-Sammlung gegen das Vorhaben gewehrt, weil man befürchtete, dass auf diese Weise über Jahre angelegten Lebensräume für Flora und Fauna zerstört würden. Doch war der Protest vergebens. Kurz nach der Kündigung des Pachtvertrags sei von der Stadt auch der ablehnende Bescheid gekommen, "Pfaffenhofen summt" und das "Lebensraum-Land-Art-Projekt" auf dem Areal fortzuführen, berichtet Mayer.

Doch man habe den Kopf nicht in den Sand gesteckt und Ausschau nach einer Alternative gehalten. Nach langer und intensiver Suche sei es gelungen, südlich des Gerolsbach-Parks in Niederscheyern eine stark verwilderte Gartenfläche zu finden, so der Künstler und Naturschützer. Dort wolle man völlig neu anfangen, einen inklusiven Natur-Gemeinschafts-Garten mit einem neuen Lebensraum-Land-Art-Projekt zu gestalten. Auf der neuen Fläche verfolge man die gleichen Ziele wie bisher: Biodiversität ausbauen und sichern, essbare Pflanzen anbauen, Nachbarschaft vernetzen und nicht zuletzt einen Beitrag zur Klimawandel-Resilienz leisten. Wie Mayer gegenüber unserer Redaktion erklärt, habe er von einem befreundeten Ehepaar von dem seit Jahrzehnten ungenutzten Grundstück einer früher in Pfaffenhofen ansässigen Familie gehört.

Überzeugt von dem Konzept des Inter-Kultur-Gartens, habe die bisherige Eigentümerin, eine Diplom-Psychologin aus Berlin, einem Verkauf zugestimmt, berichtet Mayer. Zusammen mit Erika Gindert habe er die Fläche erworben und dem Verein "Hallertauer Regional" per Vertrag zur kostenlosen Nutzung überlassen. Koordiniert werde die Arbeit im Inter-Kultur-Garten von ihm, Erika Gindert und Christian Rachl. Auf dem Gelände befindet sich nach Angaben des Vereins-Vorsitzenden eine Überlauf-Quelle, die zu einem Teich gefasst ist und zum Moosbach wird, der nicht weit weg in den Gerolsbach mündet. Ferner gebe es auf dem Grundstück einen Schuppen für Garten-Geräte sowie eine barrierefreie Toilette.

Die alljährigen Events wie die Tausch-Börse für Pflanzen und Saatgut am kommenden Sonntag, 3. Mai, (10 Uhr bis 14 Uhr, Ausweich-Termin: 10. Mai) oder das Picknick im interkulturellen und inklusiven Paradies-Garten im Juli werde man fortsetzen, so Mayer. Ebenso fortführen werde man die Bildungs-Arbeit für nachhaltige Entwicklung sowie die Umsetzung der "Agenda 2030" sowie Projekte des Naturschutzes und der Inklusion. Beibehalten werde man auch die Kooperation mit dem Bund Naturschutz (BN), dem Aktions-Bündnis "Pfaffenhofen an der Ilm summt! – Wir tun was für Bienen!" und dem Inklusions-Arbeitskreis. Buchungen für Themen-Führungen vor Ort mit ihm als Referenten, wie "Eine Reise in die Welt der Wild- und Honigbienen" und "Biodiversität! – Was ist das?", seien weiterhin über den Kalender der hiesigen BN-Kreisgruppe möglich.

Glücklich ist Mayer über einen neuen Mosaikstein des Inter-Kultur-Gartens. In Zusammenarbeit mit der Universität aus Leipzig wolle man sich an dem von der Biologin Peggy Seltmann initiierten Projekt "Refugia – Jeder Quadratmeter zählt. Jeder Garten verbindet." beteiligen. Dabei gehe es darum, gefährdete Arten zurück in Gärten, Höfe, auf Balkone und Grünflächen zu bringen und ihnen, wie der Name schon sagt, neue Refugien zu bieten. In den nächsten Tagen werde man ein erstes Pflanzen-Paket von der Wissenschaftlerin, die sich auf Vegetations-Ökologie und Naturschutz spezialisiert habe, erhalten, sagt Mayer. Darin enthalten seien Großer Ehrenpreis, Echtes Nelkenleimkraut, Wiesen-Witwenblume, Kartäuser-Nelke und Gewöhnlicher Wundklee. Laut Mayer soll "Refugia" auf dem neuen Gelände sichtbar und Teil des Schaugartens werden.

Wie bereits auf dem ehemaligen Bunker-Gelände, sollen auch im neuen Areal einzelne Parzellen an private Nutzer verpachtet werden. Statt den bisher 40 stünden nun aber nur noch zwölf Flächen zur Verfügung, sagt Mayer. Die meisten davon seien bereits vergeben, für die restlichen drei könnten sich Interessenten melden. Hauptbedingung sei, sich an die Regeln der Permakultur – ein nachhaltiges Gestaltungs-Konzepts, das natürliche Öko-Systeme nachahmt, um dauerhafte, produktive Lebensräume zu schaffen – zu halten. Dazu müsse man auf Kunstdünger, Torf und Pestizide verzichten.

Wegbeschreibung zum neuen Inter-Kultur-Garten

Der neue Inter-Kultur-Garten befindet sich in Niederscheyern südlich des Gerolsbach-Parks. Vom Pfaffenhofener Hauptplatz ist er zirka zwei Kilometer entfernt. Mit dem kostenlosen Stadtbus ist er erreichbar über die Linie 2 in Richtung Kornstraße, Haltestelle Bachgrund. Dann geht man etwa 250 Meter weiter geradeaus und biegt rechts bei Haus-Nummer 44 in den Seitenweg ab. Nach Haus-Nummer 48 liegt rechts der IKG mit der Adresse Niederscheyerer Straße 48a. Fahrrad-Stellplätze sind im Eingangs-Bereich vorhanden. Die Betreiber bitten darum, bei der Anfahrt mit dem Auto die Parkplätze direkt an der Niederscheyerer Straße oder beim Sport- und Schul-Zentrum in Niederscheyern für längere Aufenthalte zu benutzen.

Öko-Projekt mehrfach ausgezeichnet 

Der Inter-Kultur-Garten wurde 2014 vom städtischen Jugend-Parlament als förderwürdiges Projekt ausgewählt. Im Jahr 2016 erhielt er den Integrations-Preis der Regierung von Oberbayern. Ein Jahr später gewann er im von der Stiftung "Mensch und Umwelt" durchgeführten bayernweiten Pflanz-Wettbewerb "Wir tun was für Bienen" den ersten Platz in der Kategorie Gemeinschafts-Gärten. Ebenfalls 2017 erhielt die Gestaltungs-Gemeinschaft eine Ehrenurkunde von der Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landes-Gartenschauen für seine gelungenen Beiträge zur Durchführung der "Gartenschau zum Anfassen" in Pfaffenhofen.

Aufgrund des bürgerlichen Engagements der Akteure wurde der Inter-Kultur-Garten im Jahr 2018 vom "dm"-Drogeriemarkt in Pfaffenhofen als Spenden-Partner ausgewählt und prämiert. 2020 wurde der Garten als "Naturgarten" und "Schaugarten" ausgezeichnet und zertifiziert. 2021 wurde der Gestaltungs-Gemeinschaft, die hinter dem Inter-Kultur-Garten steht, der Jury-Preis für Nachhaltigkeit von der Stadt Pfaffenhofen verliehen.

Zum Hintergrund:

Pfaffenhofener Stadtrat beschließt: Natur-Kindergarten auf dem Bunker-Gelände

"Null Entgegenkommen der Stadt": Inter-Kultur-Garten in PAF hat wohl keine Zukunft

Kontroverse um Kita-Planung in PAF: Droht dem Inter-Kultur-Garten das Aus?


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