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Wir fassen zusammen, was bislang offiziell bekannt ist.

Update: Nach Katastrophe in Vohburger Raffinerie: Was bislang bekannt ist

(ty) Bei Vohburg hat es am heutigen Samstagmorgen eine heftige Explosion auf dem Raffinerie-Gelände von Bayernoil gegeben. Zahlreiche Feuerwehrleute, Rettungskräfte und die Polizei sind im Einsatz. "Der Katastrophen-Alarm wurde inzwischen ausgerufen", teilte das Pfaffenhofener Landratsamt gegen 8.15 Uhr mit. Was genau passiert ist, das ist noch nicht gesichert. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden zehn Personen verletzt; davon eine schwer. Anwohner wurden gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Irsching, Knodorf und Teile von Vohburg werden evakuiert – betroffen sind rund 2200 Menschen. Die Löscharbeiten laufen. Die Straßen rund um das Einsatz-Gebiet sind weiträumig abgesperrt. Hier fassen wir im Live-Ticker zusammen, was bislang bekannt ist.

Nach den bisher vorliegenden Informationen ereignete sich das Unglück im Bereich des Vohburger Ortsteils Irsching. Der Vohburger Bürgermeister Martin Schmid (SPD) bestätigte gegen 6.45 Uhr gegenüber unserem Reporter vor Ort, dass die komplette Ortschaft Irsching evakuiert werden soll. Die von der Räumung betroffenen Menschen sollen demnach vorerst in zwei Turnhallen in Vohburg unterkommen sowie dort betreut werden. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord bestätigte in einem ersten Statement gegenüber unserer Zeitung einen Großbrand, die Ursache sowie der genaue Unglücksort waren zunächst noch unklar. 

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord ist eine Industrie-Anlage von dem Großbrand betroffen. Dass es sich dabei um die Bayernoil-Raffinerie handelt, wurde von der Polizei zunächst nicht offiziell bestätigt. Allerdings wurde von mehreren Seiten bald erklärt, dass es sich mutmaßlich um das Gelände handelt. Mehrere Zeugen berichteten von einer massiven, schwarzen Rauchwolke. Die Explosion, die nach Informationen unserer Zeitung noch in Pörnbach zu hören war, ereignete sich offenbar gegen 5.15 Uhr.

"Die Druckwelle hat man in Rohrbach noch sehr deutlich gespürt", schrieb eine Leserin an unsere Redaktion. "In Reichertshofen war das ebenfalls der Fall. Gefühlt hat unser ganzes Haus gewackelt und man hat ganz deutlich einen sehr lauten Knall gehört", berichtet ein weiterer Leser. Ein anderer Leser schrieb uns: "Im Interpark haben die Türen gewackelt und der Arlam ist losgegangen durch die Druckwelle."

Leser Fabian Koch berichtete uns aus dem Geisenfelder Ortsteil Engelbrechtsmünster: "Habe heute Morgen unmittelbar nach dem Knall aus dem Fenster gesehen mit nem unguten Gefühl – da habe ich gewusst, da steht gleich was in Flammen. Da färbte sich der Nachthimmel unmittelbar nach der Explosion blutrot." Kurz nach 5.20 Uhr hatte unsere Redaktion eine erste Mitteilung über eine mutmaßliche "Gefahrstoff-Explosion" bei Vohburg erreicht.

Von unserem Reporter wurde berichtet, dass vor Ort ein Platz zur Landung von Rettungs-Hubschraubern eingerichtet wurde. Die Lage wirkte zunächst unübersichtlich, wurde uns übermittelt. Zuweilen war sogar von einer "chaotischen" Situation die Rede. Zunächst war auch unklar, welche Stoffe durch die Explosion und die Rauchwolke beziehungsweise durch den Brand möglicherweise freigesetzt wurden oder werden.

Ein Sprecher des Pfaffenhofener Landratsamts erklärte am Morgen telefonisch gegenüber unserer Zeitung, dass es nach den ersten vorliegenden Informationen gegen 5.15 Uhr eine Explosion sowie einen Brand auf dem Bayernoil-Gelände gegeben habe. "Es brennt immer noch", hieß es um 7.15 Uhr. Alle verfügbaren Einsatzkräfte aus dem Landkreis seien herbeigerufen worden. Aus Feuerwehr-Kreisen war zu erfahren, dass selbst Floriansjünger aus dem südlichen Landkreis Pfaffenhofen mobilisiert worden sind. Die Ursache des Unglücks ist nach wie vor unklar. Außerdem wurde erklärt, dass es mehrere verletzte Personen gibt.

Die Anzahl der Verletzten wurde um 7.15 Uhr mit "unter zehn" angegeben. Ob es sich bei den Verletzten um Menschen handelt, die zum Unglücks-Zeitpunkt gerade auf dem Gelände gearbeitet haben, oder ob Feuerwehrleute beziehungsweise andere Helfer verletzt worden sind, das ist momentan noch unklar. Zur Lage-Erkundung sind Hubschrauber im Einsatz.

Um 7.37 Uhr erreichte unsere Redaktion folgende offizielle Erstmeldung des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord:

"Heute in den frühen Morgenstunden kam es auf einem Raffinerie-Gelände in Vohburg zu einer Detonation in einem Anlagenteil und anschließendem Großbrand auf dem Gelände. Zahlreiche Einsatzkräfte der Feuerwehren, Rettungsdienste und Polizei sind derzeit vor Ort im Einsatz. Bisher sind acht verletzte Personen bekannt, davon wurden drei mit mittelschweren bis schweren Verletzungen ins Krankenhaus verbracht.

Dieses Youtube-Video zeigt angeblich die Explosion.

Derzeit werden alle Anwohner gebeten, weiterhin die Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die Bewohner aus Irsching und Teilen Vohburgs, rund 1800 Personen, evakuiert. Sie werden in der Turnhalle in Vohburg untergebracht und versorgt. Die Löscharbeiten dauern an. Die Straßen rund um das Einsatzgebiet sind weiträumig durch die Feuerwehr abgesperrt." Auch die Bundesstraße B16 ist von der Sperrung betroffen.

Gegen 8.10 Uhr meldete unser Reporter vor Ort unter Berufung auf eine Auskunft des Vohburger Bürgermeisters, dass die Evakuierungs-Maßnahmen wohl auch auf Knodorf und Ernsgaden sowie auf weitere Teile Vohburgs ausgeweitet werden. Sammel-Punkte für die betroffenen Personen wären neben den Turnhallen in Vohburg auch die Schule "Am Lindenkreuz" in Manching sowie die Schul-Turnhallen in Münchsmünster und Pförring. Inzwischen (Stand: 8.20 Uhr) gibt es eine neue Lage: Demnach werden Ernsgaden und Knodorf offenbar momentan nicht evakuiert – allerdings werde derzeit beraten, ob ganz Vohburg evakuiert werden muss. Hintergrund sind offenbar Befürchtungen, dass auch ein Tank-Lager von dem Brand betroffen sein könnte.

Gegen 8.15 Uhr wurde aus dem Pfaffenhofener Landratsamt gemeldet: 

"Bei Bayernoil in Vohburg gab es am Samstagmorgen eine Explosion. Die Einsatzkräfte sind vor Ort. Der Katastrophen-Alarm wurde inzwischen ausgerufen. Es besteht weiter Explosionsgefahr. Es kommt zu Rauchentwicklungen. Betroffen sind auch Manching, Karlskron, Reichertshofen und der Süden von Ingolstadt. Die Bevölkerung wird gebeten, in ihren Wohnungen zu bleiben, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Klima- und Lüftungsanlagen sollen ausgeschaltet werden. Achten Sie auf weitere Lautsprecher- und Rundfunk-Durchsagen. Informieren Sie auch Ihre Nachbarn, die diese Meldung nicht erhalten." Ein Bürgertelefon wurde nach Angaben der Kreisbehörde unter der Rufnummer (0 84 41) 27 - 2 60 eingerichtet.

Aus dem Landratsamt wurde gegen 9 Uhr noch einmal folgender Hinweis veröffentlicht: "Wir bitten, die Fenster und Türen in den genannten Bereichen weiter geschlossen zu halten. Das Gebiet sollte weiträumig umfahren werden. Bitte beachten Sie die Absperrungen und Hinweise von Polizei und Feuerwehr."

Um 9.22 Uhr teilte Karl Huber, der Bürgermeister von Ernsgaden, für seine Gemeinde mit: "Der Brand wird weiterhin gelöscht, eine unmittelbare Gefährdung für Ernsgaden ist derzeit nicht gegeben. Insbesondere ist eine Evakuierung der Bevölkerung derzeit nicht erforderlich. Dies wäre nur erforderlich, wenn die Lage eskalieren würde und der Brand auf die Tanklager übergreifen würde. Bitte hören Sie weiterhin auf Radio-Durchsagen und auf Durchsagen der Feuerwehr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Feuerwehr Ernsgaden, Telefon ‭(0 84 52) 73 29 47 3."

Um 9.30 Uhr meldete das Pfaffenhofener Landratsamt: "Nach derzeitigem Stand sind keine weiteren Evakuierungen vorgesehen. Bleiben Sie dennoch bis auf Weiteres in Ihren Wohnungen und halten Fenster und Türen geschlossen. Die Löscharbeiten dauern noch an."

Unser Reporter vor Ort teilte soeben (9.50 Uhr) mit, dass jeden Moment mit der Ankunft des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) gerechnet wird. Nach Angaben des Pfaffenhofener Vize-Landrats Anton Westner (CSU) sind insgesamt rund 600 Einsatzkräfte mobilisiert worden. Angeblich gibt es neun Verletzte. Die Evakuierungs-Maßnahmen bleiben vorerst aufrecht erhalten. Für 11.15 Uhr ist angeblich die nächste große Lage-Besprechung angesetzt.

Dieses Youtube-Video hat Thomas Targa veröffentlicht, es zeigt angeblich die Flammen nach der Explosion.

Ein Sprecher der Kreisbehörde erklärte gegen 10 Uhr, dass es immer noch brennt. Weitere Evakuierungs-Maßnahmen seien nach derzeitigem Stand aber nicht notwendig. Die Gefahr, dass die Flammen auf das Tank-Lager übergreifen, besteht offenbar derzeit nicht mehr. Der ausdrückliche Appell an die Bevölkerung: Nicht in die Nähe des Einsatz-Ortes kommen, Vohburg sei weitgehend abgesperrt!

Karl Huber, Bürgermeister von Ernsgaden und Sprecher des Pfaffenhofener Landratsamts, sagte, dass bei ihm daheim durch die von der Explosion ausgelöste Erschütterung ein Bild von der Wand gefallen sei.

Inzwischen ist der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) eingetroffen, um sich zu informieren. Mann könne "Gott sei Dank" sagen, dass es keine Toten gegeben habe, sagte er mit Blick auf die Verwüstung und die Schwere der Schäden. Außerdem attestierte er den Hunderten Helfern eine "reibungslose und perfekte Einsatz-Situation". Auch der Bundestags-Abgeordnete Erich Irlstorfer (CSU) und der Landtags-Abgeordnete Karl Straub (CSU) sind vor Ort. Gegen 10.10 Uhr teilte die Polizei mit, dass die Evakuierungs-Maßnahmen in Irsching und Knodorf inzwischen abgeschlossen seien.

Aus dem Pfaffenhofener Landratsamt wurde um 10.20 Uhr gemeldet, "dass die Maßnahmen zur Brandbekämpfung weiter andauern, sich die Lage aber inzwischen etwas entspannt hat. Der Brandherd ist eingekesselt." Nach derzeitigem Stand seien neun Personen verletzt worden, die sich auf dem Werksgelände befunden hatten. "Eine Person wurde schwer verletzt, drei Personen erlitten mittelschwere, fünf Personen leichte Verletzungen."

Weiter erklärte die Kreisbehörde: "Nach dem aktuellen Verlauf des Geschehens sind keine weiteren Evakuierungen vorgesehen." Betroffen von den Evakuierungs-Maßnahmen seien 2200 Personen im Umkreis des Schadensorts. Der Bereich erstrecke sich auf die Orte Irsching und Knodorf sowie auf Teile der Stadt Vohburg. "Ein Großteil der Betroffenen konnte bei Freunden und Bekannten unterkommen", meldet das Landratsamt. 140 bis 200 Personen seien in der Turnhalle in Vohburg untergebracht und würden derzeit vom BRK betreut.

Dieses Foto hat uns Markus Streese aus Vohburg geschickt.

Messungen haben laut Landratsamt ergeben, "dass die Rauchwolke keine gesundheits-gefährdenden Schadstoffe enthält". Die Bevölkerung werde dennoch weiterhin gebeten, in ihren Wohnungen zu bleiben sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten. Klima- und Lüftungsanlagen sollten ausgeschaltet werden. "Achten Sie auf weitere Lautsprecher- und Rundfunk-Durchsagen. Informieren Sie auch Ihre Nachbarn, die diese Meldung nicht erhalten." Das vom Landratsamt eingerichtete Bürgertelefon ist weiterhin unter der Nummer (0 84 41) 27 - 2 60 erreichbar.

Vize-Landrat Anton Westner (links), Innenminister Joachim Herrmann (rechts) und Polizeipräsident Günther Gietl.

Der Warnhinweis "Fenster und Türen geschlossen zu halten und sich nicht im Freien aufzuhalten" wird aufgrund der aktuellen Entwicklung für den Bereich der Stadt Ingolstadt aufgehoben, hieß es inzwischen aus dem Landratsamt. Laut Vize-Landrat Westner wird gegen 11.30 Uhr darüber entschieden, ob die von den Evakuierungs-Maßnahmen betroffenen Menschen wieder in ihre Wohnungen zurückkehren können. Das Landratsamt bestätigte gegen 11.10 Uhr, "dass alle evakuierten Personen noch nicht in ihre Wohnungen zurück können. In Kürze wird darüber entschieden, ob und wann die Evakuierung aufgehoben wird."

Ein Sprecher des Landratsamts erklärte gegen 11.25 Uhr gegenüber unserer Zeitung, dass die Produktions-Anlage der Raffinerie stark beschädigt beziehungsweise zerstört worden ist. Der Brand sei inzwischen unter Kontrolle. Das Tank-Lager werde nach wie vor gekühlt, um ein Übergreifen der Flammen zu verhindern. Zur Höhe des Schadens liegen noch keine offiziellen Informationen vor. "Es wird gekühlt und kontrolliert abgebrannt, es gehen von der Anlage keine über einen normalen Brand hinausgehenden Gefahren mehr aus und treten auch keine gefährlichen Stoffe aus", hieß es vom Landratsamt.

Außerdem wurde gemeldet: "Die Evakuierung ist ab 12 Uhr aufgehoben und es kann bezüglich Schadstoffen in der Luft Entwarnung gegeben werden. Die Personen in den Turnhallen können sich an die Ansprechpartner des BRK vor Ort wenden bezüglich der Rückfahrt in ihre Wohnungen. Die Polizei ist in den Gebieten, die evakuiert waren, auch weiterhin vor Ort um die Sicherheit der Wohungen zu gewährleisten."

 

Auch der bayerische Umweltminister Marcel Huber (CSU)  ist vor Ort. Seinen Worten zufolge besteht keine Gefahr für die Bevölkerung. Die Messungen sollen über den Tag weitergeführt werden. Inzwischen ist von zehn Verletzten die Rede.

Aus dem Landratsamt wird gemeldet: "Schäden am Eigentum der Bevölkerung durch den Katastrophenfall in Irsching bitten wir die Betroffenen zu dokumentieren und sich ab Montag an die Verwaltung der jeweiligen Wohnort-Gemeinde zu wenden. Dort werden die Anliegen entsprechend entgegengenommen und weitergeleitet." Außerdem wurde gegen 12.25 Uhr klargestellt: "Der Katastrophenfall ist nicht aufgehoben und bleibt bis auf Weiteres bestehen."

Gegen 12.40 Uhr berichtete das Landratsamt von einer weiteren Entspannung der Lage: "Fenster und Türen dürfen wieder geöffnet werden. Es steht nichts dagegen, wieder ins Freie zu gehen."

Inzwischen liegen unserer Redaktion Fotos von der Unglücksstelle vor:

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