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Trotz gravierender und mitunter sogar lebensbedrohlicher Beschwerden kämen viele Patienten, offenbar aus Angst vor Corona, nicht in die Praxis oder Klinik.

(ty) Der Vorsitzende des ärztlichen Kreisverbands von Pfaffenhofen, Stefan Skoruppa, und sein Stellvertreter Matthias Fleige sowie Anton Wiedemann, der Versorgungsarzt im Landkreis Pfaffenhofen, und Martina Kudernatsch, die Chefin des Pfaffenhofener Gesundheitsamts, wenden sich in einer gemeinsamen Pressemitteilung an die Öffentlichkeit – und schlagen Alarm: "Mit Harnwegs-Infekten, Brustschmerzen und Blutdruck-Krisen nicht zum Hausarzt zu gehen, ist keine gute Idee", warnen die Experten. "Dennoch beobachten die Hausärzte und die Klinik im Landkreis, dass viele Patienten trotz gravierender und teils lebensbedrohlicher Beschwerden nicht mehr in die Praxis oder Klinik kommen."

"Eine um 40 Prozent zurückgegangene Anzahl von in den deutschen Kliniken behandelten Herzinfarkten wundert schon sehr", schreiben die Gesundheits-Fachleute in ihrem gemeinsamen Statement. Ähnlich sehe es bei der Anzahl von Schlaganfällen aus. Woran das liege? Aus Angst, an Corona zu erkranken, trauen sich den Angaben zufolge viele Patienten nicht mehr zu ihrem Hausarzt beziehungsweise nicht mehr ins Krankenhaus.

Stefan Skoruppa aus Jetzendorf, der Sprecher der hiesigen Ärzte, wendet sich an die Bürger im Landkreis und appelliert: "Suchen Sie bei gravierenden Beschwerden weiterhin Ihren Hausarzt oder die Klinik auf! So kann Schlimmeres verhindert werden! Es gibt eben nicht nur Corona, auch alle anderen schwerwiegenden Erkrankungen existieren weiter. Und bitte vergessen Sie nicht, vor dem Betreten eines Praxis-Gebäudes oder der Klinik, Ihren Mundschutz – gerne auch selbstgenäht – zu tragen!"

 

Unter der Führung des Versorgungsarztes Anton Wiedemann, so wird erläutert, seien die beiden Corona-Schwerpunkt-Praxen im Landkreis Pfaffenhofen eingerichtet worden. Bereits seit dem 19. April sei die vormals als Infekt-Praxis bekannte Einrichtung in Geisenfeld (Königstraße 13) nun als offizielle Covid-Schwerpunkt-Praxis und Abstrich-Zentrum für den Landkreis-Norden etabliert. Sprechzeiten seien hier täglich, von Montag bis Sonntag, jeweils von 9 bis 12 Uhr.

Ab dem morgigen Dienstag, 28. April, werden den Angaben zufolge außerdem in den Räumen der Praxis Dr. Leitner mit dem gleichen Konzept die Schwerpunkt-Praxis und das Abstrich-Zentrum für die Landkreis-Mitte und den Landkreis-Süden starten. Hier, an der Adolf-Rebl-Straße 38 in Pfaffenhofen, finde von Montag bis Freitag jeweils zwischen 12 und 15 Uhr die Corona-Sprechstunde statt.

Zum Anmelde-Verfahren in der jeweiligen Schwerpunkt-Praxis wird erklärt: Patienten mit Erkältungs-Symptomen sollten sich zuerst telefonisch an ihren Hausarzt wenden. Dieser könne den jeweiligen Patienten dann, falls erforderlich, per Überweisungs-Schein an eine der beiden Schwerpunkt-Praxen weiterleiten. "Die Überweisungs-Scheine werden vom Hausarzt mit Angabe der Telefon-Nummer der Patienten und der Beschwerden an die Praxen gefaxt, um eine Terminierung durch Dr. Leitner oder Dr. Fleige zu ermöglichen."

Gleichzeitig fungieren, so heißt es weiter, diese beiden Standorte auch als Abstrich-Zentren der "Kassenärztlichen Vereinigung Bayern" (KVB). Das bedeute konkret, "dass Personen, welche sich mit Corona-Verdacht an die 116 117 wenden, ebenso an die beiden Praxen weitervermittelt werden können, sofern kein Hausbesuch erforderlich ist".

Das so genannte Fieberzelt vor der Ilmtalklinik in Pfaffenhofen wird den Angaben zufolge dann ab Montag, 4. Mai, "nur noch als Sichtungszelt für die krankenhaus-pflichtigen Patienten durch die Klinik betrieben". Eine Behandlung und Untersuchung von leicht erkrankten Patienten werde ab diesem Zeitpunkt dort nicht mehr möglich sein.

Gerade für Ärzte, bei denen aufgrund der Räumlichkeiten der Praxis keine Trennung der potenziell infektiösen Patienten von den chronisch Kranken möglich sei, solle die Schaffung dieser neuen Strukturen "eine deutliche Entlastung im Arbeits-Alltag bringen" und außerdem "sowohl Patienten wie auch medizinisches Personal bestmöglich vor einer Ansteckung mit Covid-19 schützen".

 

Da die Testmöglichkeiten im Landkreis Pfaffenhofen ausreichend vorhanden seien, sei es bei den Hausärzten oder in den beiden Schwerpunkt-Praxen beziehungsweise Abstrich-Zentren, schließt sich Martina Kudernatsch als Leiterin des hiesigen Gesundheitsamts, nach eigenen Worten gerne dem aktuellen Appell der Bundeskanzlerin an: "Die Experten sagen uns: testen, testen, testen!"

Nachdem die Labor-Kapazitäten deutschlandweit in den vergangenen Wochen deutlich ausgebaut worden seien, sei derzeit auch eine ausreichende Testung mit kurzen Zeiten bis zum Erhalt des Ergebnisses möglich. Daher rät Kudernatsch den Menschen im Kreis Pfaffenhofen, sich bei Beschwerden, welche auf eine Corona-Erkrankung hinweisen können, an den Hausarzt oder an die Telefon-Nummer 116 117 zu wenden und das weitere Vorgehen abzuklären.

"Leider lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen zum typischen Krankheits-Verlauf machen", erläutert Kudernatsch zur Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus. "Symptome wie Fieber, allgemeine Abgeschlagenheit und Müdigkeit, Husten, Atemnot, Kopf- und Gliederschmerzen, Schnupfen, Geruchs- und Geschmacks-Verlust, vorübergehend Durchfall oder Halsschmerzen können auf eine Covid-19-Erkrankung hinweisen", sagt sie. Und betont abschließend: "Nur, wenn umfangreich getestet wird, können wir die Dunkelziffer an nicht erkannten Covid-Fällen so gering wie möglich halten und eine anhaltende Eindämmung gewährleisten."  

Hier finden Sie alle bisher veröffentlichten Beiträge über die Corona-Virus-Krise in der Region im Überblick


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