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Bürgerinitiative und Bund Naturschutz kämpfen weiter gegen das umstrittene Vorhaben – Rund 4400 Unterschriften liegen bereits vor, bis 22. Januar wird noch gesammelt

(ty/zel) Es ist ein umstrittenes Vorhaben. Im Wolnzacher Ortsteil Eschelbach soll bekanntlich der bestehende Hähnchenmast-Betrieb auf rund 145 000 Tiere erweitert werden. Nach Recherchen des Bund Naturschutz würde damit eine der größten Anlagen dieser Art im Freistaat entstehen, die örtliche Bürgerinitiative "Pro Life" spricht sogar von der größten in Bayern. Der Widerstand war und ist groß. Mit einer Petition an den bayerischen Landtag wollen die Gegner das Vorhaben ausbremsen. Wie eine Sprecherin von "Pro Life" heute auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, verzeichnet die Petition inzwischen rund 4400 Unterschriften – über 3000 auf Papier sowie rund 1400 im Internet auf change.org. Noch bis 22. Januar sollen weitere Unterschriften gesammelt werden, dann wolle man die Petition in München übergeben.

 

Wie berichtet, hat das Pfaffenhofener Landratsamt den vorzeitigen Baubeginn zugelassen, eine Entscheidung über die Genehmigung selbst wird Anfang nächsten Jahres erwartet. Die Gegner machen jedenfalls weiterhin mobil und haben eine Petition an den Landtag gestartet. Sie wollen damit Beschwerde einlegen gegen das Vorgehen des Landratsamts. Konkret wegen der Zulassung des vorzeitigen Baubeginns – auch, weil man daraus schließen muss, dass mit der Genehmigung der Hähnchenmast-Erweiterung gerechnet werden kann. Im Falle einer Genehmigung ist auch diese selbst vorsorglich Gegenstand der Petition.

Die Liste der Gründe, die von „Pro Life“ in dem Petitions-Text für die Ablehnung der Hähnchenmast-Erweiterung sowie gegen den vorzeitigen Baubeginn ins Feld geführt werden, ist lang. So sieht man zum Beispiel die Voraussetzungen für die Privilegierung des landwirtschaftlichen Vorhabens nicht gegeben – unter anderem, weil der Antragsteller keine Futtermittel anbaue. 

Das Landratsamt hat den vorzeitigen Baubeginn genehmigt. 

Schon der vorzeitige Baubeginn ist nach Dafürhalten der Gegner „nicht juristisch korrekt“ ("Juristisch erneut auf sehr dünnem Eis"), da die Voraussetzung – nämlich, dass mit einem positiven Ausgang des Genehmigungsverfahrens zu rechnen ist – nicht gegeben sei. Auch Landrat Martin Wolf (CSU) habe mehrfach betont, dass noch alles offen sei, heißt es dazu. Außerdem ist „Pro Life“ der Ansicht, dass die Antrags-Unterlagen, die öffentlich ausgelegt wurden, „fehlerhaft, widersprüchlich und unvollständig“ waren. „Dennoch erhielt die Öffentlichkeit nur auf direkte Nachfrage die Gelegenheit, die ergänzten und überarbeiteten Unterlagen zu sichten.“

 

Der Brandschutz ist nach Meinung der Petenten „unzureichend, im Brandfall könnten die Tiere nicht gerettet werden“. Die Löschwasser-Versorgung sowie die Feuerwehr-Zufahrten seien zudem ungenügend. 
Weitere Argumente, die vorgebracht werden, sind der durch die Anlage erwartete Verkehr sowie der daraus resultierende Lärm. Auch um die Gesundheit der Menschen sorgt man sich: „In den meisten Hähnchenmast-Anlagen werden resistente Keime gefunden. Die Bevölkerung wird nicht ausreichend vor ihnen geschützt“, heißt es etwa.  Die Geruchsbelastung in Eschelbach sei bereits jetzt mitunter hoch. 

„Das immissionsschutztechnische Gutachten enthält zahlreiche Fehler“, heißt es weiter – diese seien unter anderem durch Vertreter des Bund Naturschutz sowie durch dessen Rechtsanwalt und einen Gutachter nachgewiesen. „Dadurch wird die Belastung zu niedrig 
eingeschätzt.“ Außerdem werden nach Ansicht von „Pro Life“ verschiedene weitere Bestimmungen nicht eingehalten oder seien kaum nachprüfbar. Nicht zuletzt wird darauf verwiesen, dass sich im Umfeld der Mast-Anlage zahlreiche Biotope befänden. Die Nitratbelastung des Grundwassers der Region sei bereits „kritisch, Tendenz weiter zunehmend“. Zudem sei mit einer Schädigung des am Hang stehenden Waldes zu rechnen. 


 

Das umstrittene Vorhaben beinhaltet, wie mehrfach berichtet, nach Angaben des Landratsamts die Aufgabe einer in der Ortsmitte von Eschelbach bestehenden Stallung für derzeit rund 15 000 Tiere sowie die Errichtung von zwei neuen Ställen im Außenbereich. Dort, wo gebaut werden soll, stehen bereits zwei Stallungen, die im Zuge der Betriebserweiterung saniert werden sollen. Nach der beantragten Vergrößerung der Mast-Anlage ergibt sich laut Kreisbehörde dann ein Tierbestand von insgesamt 144 600 Masthähnchen.   "Pro Life" versteht sich nach eigenen Angaben als Bürgerinitiative für Eschelbach: "Wir möchten, dass unser Dorf lebenswert bleibt", so eine Sprecherin.

Hier finden Sie die Online-Petition sowie die ausführliche Begründung.

Bisherige Beiträge zum Thema:

Hähnchenmast-Erweiterung in Eschelbach: Entscheidung erst 2017

Nächtlicher Protest in Eschelbach

"Juristisch erneut auf sehr dünnem Eis"

Eschelbach: Mit Genehmigung der Hähnchenmast kann gerechnet werden 

"Ein fataler Irrweg"

Brief aus Brüssel

Tausende Einwendungen gegen 145 000 Masthähnchen

"Ausbeutung von Tieren, Mensch und Umwelt" 

"Das wäre die größte Anlage in Bayern"

Widerstand gegen Hähnchenmast-Erweiterung

Hähnchenmast für 145 000 Tiere in Eschelbach?

Geflügelmast für 145 000 Tiere geplant


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