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Traditions-Wirtschaft, Gästehäuser, Party-Service: Heidi Schleibinger hat sich ihren Traum erfüllt – Ganz nebenbei ist sie auch noch Sektions-Schützenkönigin

(ty) Der Gasthof an der scharfen Kurve in der Ernsgadener Bahnhofstraße hat eine lange Tradition. Früher, vor über 100 Jahren, war noch eine Brauerei dabei. Dann war das Haus in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts als Bahnhofs-Gaststätte bekannt. Beim damaligen Wirt „Stießberger“ wurden im Saal große Feste gefeiert, Hochzeiten zum Beispiel oder auch Geburtstage. Diese Tradition setzten auch die Großeltern der jetzigen Eigentümerin Heidi Schleibinger fort, als sie im Jahr 1956 die Wirtschaft vom damaligen Besitzer Amann übernahmen. Unter ihrer Regie blühte in den 1950er und 1960er Jahren das gesellschaftliche Leben in Ernsgaden auch und gerade beim „Schleibinger“. 

Das frühere Gasthaus Raster, heute Schleibinger. 

Als es noch kein Sportheim gab – das erste wurde 1968 eröffnet – hatten hier die Fußballer ihr Vereinslokal. Auch der Schützenverein „Eichenlaub“ fühlt sich hier seit jeher wohl. Er hat bis heute seinen Schießstand im Keller. Im Nebenzimmer hängen die Königsscheiben an der Wand und unzählige aneinandergereihte Pokale sind die Zeugen großer Erfolge bis in die heutige Zeit. Auch die Fischer treffen sich hier zu Versammlungen und zum Feiern.

Die älteren Ernsgadener schwärmen noch heute von den rauschenden Siegesfeiern der Fußballer und den feucht–fröhlichen Faschingsbällen, bei denen der Wirtshaussaal bis auf den letzten Platz gefüllt war und mit Live-Bands bis in den Morgen gefeiert wurde. Auch die Paare im Ort, die heute schon die goldene Hochzeit feiern können, erinnern sich bei einem Gläschen Sekt gerne an den ersten Tanz vor mehr als 50 Jahren im Schleibinger-Saal und dass man sich seinerzeit dort kennengelernt hat.

Als weiteres Standbein eröffnete dann Heidis Vater Max Schleibinger, ein gelernter Metzgermeister, im Jahr 1965 eine Metzgerei, die bis vor ein paar Jahren die Ernsgadener mit Fleisch und Wurst versorgte. Die Schweine kamen von den Bauern aus dem Ort oder aus der Umgebung und wurden damals natürlich selbst im eigenen Schlachthaus – es befindet sich auf der Rückseite der Gastwirtschaft – erlegt, zerteilt und verwurstet.

Der neu renovierte Wirtshaus-Saal. 

Heute gibt im Ort keine Landwirte und auch keine Metzgerei mehr. Den Preiskampf mit den Discountern wollte man nicht aufnehmen. Im Jahr 1968 hatte der Max seine Frau Helga geheiratet, die aus dem Bayerischen Wald stammte und die er während eines Ausflugs mit einem Freund kennengelernt hatte. Der Max ist heute ein Mittsiebziger und steht oft noch hinter der Theke und schenkt die Getränke aus – vor allem dann, wenn es bei Veranstaltungen hoch her geht. Helga Schleibinger starb im Jahr 2001, viel zu früh.

Sprung in die Gegenwart: Erst kürzlich hat die Gastronomin, früher sagte man Wirtin, von der bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) für ihr Gästehaus wieder die Klassifizierung „Zwei Sterne Superior“ bekommen – und eine Urkunde. Aber das sind nur Symbole, dahinter steckt mehr.

Vielleicht braucht es die oben erzählte Vorgeschichte, um die Motivation, den Ehrgeiz, die Schaffenskraft, die Leidenschaft und auch den Erfolg von Heidi Schleibinger zu verstehen. Schon als Kind hörte sie auf dem Schoß des Vaters am Stammtisch den Alten beim Politisieren zu oder folgte der Mutter am Rockzipfel an die Fleisch- und Wursttheke im Laden. Die Wirtschaftsluft, einmal geschnuppert, ließ sie nicht mehr los.

So war es für sie gar keine Frage, in ihrem Metier zu bleiben, um nach Ende der „Lehr- und Wanderjahre" sowie einer qualifizierten Fachausbildung als Hotelmeisterin zu den Wurzeln zurückzukehren. Sie hatte viel gesehen und im Laufe der Zeit reifte in ihr die Entscheidung, als weiteres Standbein ein Hotel zu bauen. Den Traum, selbstständig zu sein, auf den eigenen Beinen zu stehen, eine eigene kleine Pension zu führen, hatte sie eigentlich schon immer gehabt.

 

Heidis Gästehäuser.

Schon früh bewies sie vor 15 Jahren den richtigen Riecher und erkannte, dass Hotelzimmer und -betten von guter Qualität im mittleren Preissegment im Kreis Pfaffenhofen Mangelware sind. Es sind weniger Touristen, die in Heidis Gästehaus übernachten, sondern mehr Geschäftsreisende, Mitarbeiter von größeren Firmen aus und rund um Ingolstadt sowie die viel besagten Monteure, die oft von weit her kommen, nicht selten aus dem Ausland, um hier in der Wachstumsregion zu arbeiten und Dienstleistungen zu erbringen. Ab und zu kommen auch Norddeutsche oder Holländer von der nahen Autobahn zur Zwischenübernachtung auf dem Weg nach Süden oder auf dem Heimweg.

Zunächst errichtete Heidi Schleibinger im Jahr 2003 ein Gästehaus, und weil die Nachfrage riesig war und es so gut ging, gleich noch ein zweites dazu. Heute kann sie den Gästen 30 Betten in 18 Zimmern anbieten, verbucht hervorragende Übernachtungszahlen – deren Höhe ihr Geheimnis ist – und ist mit der geschäftliche Entwicklung rundum zufrieden. Einen Partyservice mit verschiedensten Schmankerln hat sie dann auch noch aufgebaut, kann Feiern mit bis zu 300 Personen versorgen. Heidi Schleibinger ist auch in der Vorstandsriege des Hotel- und Gaststättenverbands im Landkreis. 

Vor einiger Zeit hat sie ein Nachbargrundstück erworben, dessen Wohnhaus bis vor kurzem für Übernachtungen diente und in dessen Hof, im Nebengebäude und in der „Alten Schmiede", in den vergangenen Jahren der Künstlermarkt veranstaltet wurde. Man darf schon gespannt sein, was in Zukunft auf dem Gelände noch alles passieren wird. Zwischendurch hatte Heidi Schleibinger noch ein anderes Projekt: Sie renovierte den Saal des Gasthauses, den sie jetzt als „unser Schmuckstück“ bezeichnet.

Sektions-Schützenkönigin Heidi Schleibinger, begleitet von Tim Mayerhofer (von links), Max Schreiner und Wolfgang Kund.

Heidi Schleibinger steht früh auf, ist immer auf den Beinen, stets am Organisieren und werkeln. Besonders stolz ist sie auf ihr Team, die Mitarbeiterinnen, die ihr – von wenigen Ausnahmen abgesehen – schon seit vielen Jahren die Treue halten und sie kräftig unterstützen. Ein wenig Ausgleich findet sie bei ihrem Hobby, dem Schießsport, in dem sie ziemlich gut ist. Sie schießt in der Mannschaft des Schützenvereins. Erst heuer wurde sie Sektions-Schützenkönigin, das hat sie besonders gefreut. Zukunftspläne gibt es auch und den einen oder anderen Wunsch – „gesund zu bleiben und noch möglichst lange arbeiten zu können“. 


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