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Pfaffenhofen ist Modellkommune für das Projekt "Digitale Einkaufsstadt Bayern": Was sich die örtliche Wirtschafts- und Servicegesellschaft davon erhofft

(zel) Wie berichtet, ist Pfaffenhofen als eine von drei Modellkommunen für das Projekt „Digitale Einkaufsstadt Bayern“ ausgewählt worden. Die Kreisstadt wird nun in den kommenden zwei Jahren besonders betreut und unterstützt – es geht vor allem darum, den Einzelhandel fit für die digitale Zukunft zu machen. Dabei sollen auch Praxisbeispiele entwickelt werden. Von den Erfahrungen der Modellkommunen könnten dann auch andere Städte und Gemeinden profitieren, sagte die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU). 

Die ersten Reaktionen in Pfaffenhofen fallen durchweg positiv aus. „Wir freuen uns, dass die Bewerbung der städtischen Wirtschafts- und Servicegesellschaft (WSP) überzeugen konnte“, sagt Fabian Stahl, der Vorsitzende des Vereins „Lebendige Innenstadt“ (IGLI). Er sieht damit auch die Arbeit seines Vereins bestätigt. Die Etablierung von Veranstaltungs-Formaten und zum Beispiel auch das Innenstadt-WLAN haben seiner Meinung nach dazu beigetragen, dass die Stadt nun als Modellkommune weiter unterstützt werde. „Der erste Schritt ist getan, weitere müssen folgen“, sagt Stahl. 

Die Pfaffenhofener Innenstadt habe sich in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt, kommentiert Bürgermeister Thomas Herker (SPD): „Kaum Leerstände mehr, bunter Mix, starke inhabergeführte Geschäfte und deutliche Umsatzsteigerungen.“ Stillstand bedeute aber Rückschritt, so der Rathauschef. „Deshalb: Auf zur ,Digitalen Einkaufsstadt’!“

Auch bei der Wirtschafts- und Servicegesellschaft selbst freut man sich freilich, dass bei der Auswahl der Modellkommunen der Name Pfaffenhofen fiel. Wir sprachen mit WSP-Chef Matthias Scholz und WSP-Mitarbeiter Philipp Schleef, der federführend für die Innenstadt zuständig ist, über die Bedeutung und die Chancen des Projekts sowie über die nächste Schritte – und fragten, was konkret man sich in Pfaffenhofen nun in den kommenden beiden Jahren erhofft. 

Herr Scholz, „Digitale Einkaufsstadt“ klingt ja schon mal ganz gut. Was bedeutet es aber nun konkret, dass Pfaffenhofen als Modellkommune ausgewählt worden ist?

Matthias Scholz: Jede der drei Modellkommunen, das sind ja neben Pfaffenhofen noch Coburg und Günzburg, erhält eine maßgeschneiderte Strategie und Begleitung, um „Digitale Einkaufsstadt“ zu werden. Angelegt ist das Programm auf zwei Jahre, in denen wir hart arbeiten müssen, um uns im Strukturwandel zu behaupten. Das Einkaufsverhalten ändert sich immer stärker, technische Innovationen sind so schnell wie nie zuvor – und der pure Appell „Kauf lieber vor Ort und nicht im Netz“ wird nicht ausreichen. Die Aufnahme in das Programm sehe ich als eine Riesenchance für Pfaffenhofen.

Herr Schleef, eine Expertengruppe hat Pfaffenhofen auserkoren. Wissen Sie, was dabei eine Rolle gespielt hat?

Philipp Schleef: Bewerben konnten sich Städte mit 10 000 bis 50 000 Einwohner, die über eine aktive Händlergemeinschaft und über bestehende öffentlich-private Kooperationsstrukturen verfügen. Das konnten wir nachweisen: Mit dem Unternehmernetzwerk „ProWirtschaft“ und dem Verein „Lebendige Innenstadt“ sowie der Wirtschafts- und Servicegesellschaft haben wir schon einmal die Grundvoraussetzung erfüllt. Was dann genau den Ausschlag gegeben hat, wissen wir nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es letztendlich unsere Handels-Landschaft war – wo findet man sonst noch so viele inhabergeführte Geschäfte und mit so einem guten Branchenmix in Städten unserer Größenordnung?

Freude bei den WSP-Mitarbeitern: Matthias Scholz (von links), Tina Schiechel und Philipp Schleef.

 

Wie digital ist Pfaffenhofen als Einkaufsstadt Ihrer Ansicht nach schon?

Scholz: So digital wie die meisten Kleinstädte in Bayern auch – wir stecken noch in den Kinderschuhen. Für Einzelhändler ist es wirklich nicht einfach, die passende Lösung zu finden. Vor Ort sind sie ungeschlagen, online müssen sie sich aber gegen Größen wie Zalando oder Amazon behaupten.

Wie beurteilen Sie das digitale Engagement der hiesigen Einzelhändler?

Scholz: Das digitale Engagement möchte ich gar nicht beurteilen – es wird ganz klar eine Pflichtaufgabe werden, wie die Steuererklärung. Ich bin der Meinung, dass der Druck auf die Städte und Einzelhändler enorm wächst, dass der Online-Handel weiter zunimmt und dass man auf veränderte Kundenwünsche schnell reagieren muss. Nun ist es an uns, darauf zu reagieren. Eine Firmen-Homepage, eine Facebook-Seite oder ein Eintrag bei Google wird in Zukunft nicht mehr ausreichen, um die Einkaufsmöglichkeiten in Pfaffenhofen zu erhalten, eine attraktive Stadt zu sein und letztlich auch die Arbeitsplätze im Handel zu sichern.

Wie sehen nun die ersten Schritte aus? Was passiert jetzt?

Schleef: Das Projekt wird erst nächstes Jahr starten. Gerade in der Vorweihnachtszeit haben die Händler in Pfaffenhofen mit Sicherheit keine Zeit für eine Aufgabe dieser Größe. Beginnen werden wir dann ganz klassisch mit einer Bestandserhebung und einer Bedarfsanalyse. Wir müssen wissen, wo die Händler heute stehen und was sie sich vom digitalen Morgen überhaupt erwarten.

Bei dem Projekt geht es darum, Praxisbeispiele für den Einzelhandel zu entwickeln. Wo sehen Sie hier Ansatzpunkte?

Scholz: Da möchte ich den Einzelhändlern wirklich nicht vorgreifen. Das müssen wir alle gemeinsam entwickeln – vor allem in Abstimmung mit unseren personellen und finanziellen Möglichkeiten. Beispiele gefällig? Eine gemeinsame Online-Plattform, integrierte Online-Shops, eigener Lieferdienst, interaktive Show-Fenster, QR-Codes oder Beacons, Social-Media-Marketing und Aktionen. Es gibt so viele Möglichkeiten und Ansatzpunkte. Die Frage ist aber auch: Welche sind für Pfaffenhofen die richtigen Maßnahmen – aus Kunden- und Händlersicht? 

Haben Sie eine konkrete Vorstellung davon, wo Pfaffenhofen als „Digitale Einkaufsstadt“ in zwei Jahren stehen kann?

Scholz: In zwei Jahren haben wir eine klare Strategie für Pfaffenhofen entworfen, die ersten Lösungen für Einzelhändler gefunden und auch Kundenangebote geschaffen. Wir müssen uns dann nicht vorwerfen, das Thema nicht in Angriff genommen oder unterschätzt zu haben. Eine konkrete Vorstellung von einer digitalen Einkaufsstadt habe ich nicht – aber die hatte ich vom Internet auch nicht, als ich das erste Mal mit meinem 56k-Modem online ging.

Weiterer Bericht zum Thema:

Pfaffenhofen ist "Digitale Einkaufsstadt"


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