Er hält das Projekt nicht mehr für den richtigen Weg und fordert eine Gesamt-Betrachtung des Hochwasserschutzes zwischen Donau, Ilm, Paar und Kleiner Donau.
(ty) Der geplante Flutpolder Katzau bei Münchsmünster muss nach Ansicht des hiesigen Bundestags-Abgeordneten Christian Moser (CSU) auf den Prüfstand. "Seitdem ich im Bundestag bin, setze ich mich mit Nachdruck für konsequenten und wirksamen Hochwasserschutz ein. Aber gerade deshalb halte ich den Polder Katzau nicht mehr für den richtigen Weg", erklärt Moser, der auch umweltpolitischer Sprechers der Christsozialen im Bundestag ist in einer heute veröffentlichten Presse-Mitteilung mit dem Titel: "Moser stellt sich gegen Polder Katzau." Er proklamiert: "Wir brauchen Hochwasserschutz, der vor Ort wirkt!" Seine Forderung: "eine erneute Gesamt-Betrachtung des Hochwasserschutzes zwischen Donau, Ilm, Paar und Kleiner Donau."
Der Polder sei seit vielen Jahren ein Bestandteil der bayerischen Hochwasserschutz-Planung, erinnert Moser. Vorgesehen sei eine Fläche von rund 300 Hektar mit einem Rückhalte-Volumen von etwa 6,6 Millionen Kubikmetern. Nach den aktuellen Planungen solle für das Projekt ein Plan-Feststellungs-Verfahren eingeleitet werden. "Wir müssen uns aber die Frage stellen, ob eine Planung, die vor mehr als 20 Jahren auf den Weg gebracht wurde, heute noch die richtige Antwort auf die Hochwasser-Probleme unserer Region ist", so Moser. "Inzwischen liegen neue Erkenntnisse vor. Und diese müssen ernst genommen werden."
Besonders aufmerksam verfolgte Moser nach eigenem Bekunden die Einwände des Gutachtens von Professor Sebastian Müller von der Universität der Bundeswehr München. Dieses weise unter anderem auf mögliche Wechselwirkungen zwischen dem Polder und Hochwasser-Ereignissen an Ilm, Paar und Kleiner Donau hin. Gerade die Gleichzeitigkeit von Hochwasser-Ereignissen an mehreren Gewässern müsse bei einem wirksamen Hochwasserschutz berücksichtigt werden. "Beim Hochwasserschutz müssen wir das gesamte Einzugs-Gebiet betrachten", betont Moser. "Wenn wir an einer Stelle Wasser zurückhalten, müssen wir gleichzeitig sicherstellen, dass dadurch an anderer Stelle keine neuen Probleme entstehen."
Auch die Frage des Grundwassers müsse aus seiner Sicht nochmals kritisch betrachtet werden, so der CSU-Politiker weiter. Für den Betrieb des Polders seien zusätzliche Maßnahmen zur Binnen-Entwässerung und Schöpfwerke vorgesehen, um einen Anstieg des Grundwassers außerhalb der Polderfläche zu verhindern. "Wenn ein Projekt in dieser Größenordnung dauerhaft auf Pumpwerke und ein komplexes Entwässerungs-System angewiesen ist, muss sehr genau geprüft werden, welche Folgen das für die angrenzenden Ortschaften, Landwirtschaft und Infrastruktur hat", betont Moser.
Hinzu komme die besondere Konstruktion des Polders Katzau. "Nach Angaben des Wasserwirtschaftsamts soll die Flutung über ein kombiniertes Ein- und Auslass-Bauwerk im Bereich der Kleinen Donau erfolgen", erklärt Moser. Das Gutachten der Gemeinde Münchsmünster sehe darin erhebliche Risiken und weise insbesondere auf die besondere Belastungs-Situation des Deichs der Kleinen Donau im Flutungsfall hin. "Bei einem Projekt, das nur in absoluten Extrem-Situationen zum Einsatz kommen soll, muss die Frage erlaubt sein: Ist diese Konstruktion tatsächlich die sicherste und sinnvollste Lösung?", fragt Moser.
Der Bundestags-Abgeordnete plädiert deshalb für einen Strategie-Wechsel. "Wir brauchen beim Hochwasserschutz mehr Maßnahmen in der Fläche und weniger Fixierung auf einzelne Großprojekte", fordert er. "Die jüngsten Gesetzes-Änderungen im Bundestag bieten die Chance, in der ganzen Fläche schneller als sonst Hochwasserschutz-Maßnahmen zu errichten. Dazu gehören der konsequente Ausbau des natürlichen Rückhalts, die Verbesserung der Hochwasserschutz-Anlagen an den Zuflüssen und eine bessere Abstimmung des gesamten Fluss-Gebiets."
Auch die Nutzung vorhandener Infrastruktur müsse dabei ergebnisoffen untersucht werden. In der aktuellen Diskussion sei insbesondere auf die vorhandenen Staustufen in Vohburg und Ingolstadt hingewiesen worden. Das Gutachten der Gemeinde Münchsmünster sehe hier zusätzliches Potenzial für den Hochwasser-Rückhalt. "Ich erwarte, dass alle Möglichkeiten auf den Tisch kommen. Es kann nicht sein, dass eine vor Jahrzehnten entwickelte Planung einfach deshalb weiterverfolgt wird, weil sie einmal beschlossen worden ist", sagt Moser. "Wir müssen heute das tun, was für die Menschen in Münchsmünster, Vohburg, Pförring und der gesamten Region den größtmöglichen Hochwasserschutz bringt."
Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, den Hochwasserschutz zurückzufahren. Im Gegenteil, stellt Moser klar: "Ich will mehr Hochwasserschutz, nicht weniger. Aber wir sollten das Geld dort einsetzen, wo es schnell, zuverlässig und mit möglichst wenigen Folgewirkungen für die Menschen wirkt." Der Abgeordnete aus Pfaffenhofen fordert deshalb eine erneute Gesamt-Betrachtung des Hochwasserschutzes zwischen Donau, Ilm, Paar und Kleiner Donau. "Die Pläne der Arbeits-Gemeinschaft solidarischer Hochwasserschutz mit mittlerweile 28 Mitglieds-Kommunen und viele kleinere Maßnahmen vor Ort können den Hochwasserschutz entscheidend voranbringen."
Mosers Fazit: "Der Polder Katzau stammt aus einer anderen Zeit. Die Hochwasser-Ereignisse der vergangenen Jahre, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und die Erfahrungen vor Ort geben uns Anlass, die bisherigen Planungen neu zu bewerten." Für ihn stehe fest: "Bevor wir mehrere hundert Hektar Fläche mit einem technisch aufwändigen Polder überplanen, müssen alle Alternativen auf dem Tisch liegen. Hochwasserschutz muss den Menschen dienen – und nicht umgekehrt."





