Arbeitnehmer-Vertretung bei heutiger Audi-Betriebs-Versammlung in Ingolstadt: "Die Zukunft von Audi wurde nicht beschlossen. Sie wird jetzt verhandelt."
(ty) Bei der dritten Betriebs-Versammlung in diesem Jahr im Audi-Werk in Ingolstadt haben am heutigen Freitag die jüngsten Entscheidungen im Volkswagen-Konzern und deren mögliche Auswirkungen auf Audi im Mittelpunkt gestanden. Der Betriebsrat stellte klar: Weder Standort-Schließungen noch konkrete Personal-Abbau-Zahlen für Audi seien beschlossen worden. Nun komme es darauf an, in den anstehenden Verhandlungen tragfähige Perspektiven für Beschäftigung und Standorte zu schaffen.
Rund 7000 Audianer verfolgten nach offiziellen Angaben die Betriebs-Versammlung in der Halle B sowie an den zugeschalteten Außen-Standorten. Der Vorsitzende des Gesamt-Betriebsrats, Jörg Schlagbauer, führte durch die Veranstaltung. Angesichts der großen Verunsicherung in der Belegschaft forderte er klare Antworten darauf, wo Audi künftig stehen solle, was tatsächlich auf das Unternehmen zukomme und wie Audi wieder auf einen nachhaltigen Wachstumskurs gebracht werden könne.
Die Beschäftigten hätten Veränderungen mitgetragen, Belastungen akzeptiert und Verantwortung übernommen, so Schlagbauer. Nun liege es am Vorstand, eine klare Richtung für Audi vorzugeben und zu zeigen, wie das Unternehmen wieder stärker werden könne. "Die Kolleginnen und Kollegen erwarten keine einfachen Antworten. Aber sie erwarten Klarheit, Orientierung, Führung und eine nachhaltige Perspektive."
In ihrem Bericht ordnete die stellvertretende Betriebsrats-Vorsitzende Rita Beck die Ergebnisse der jüngsten Sitzungen im Volkswagen-Konzern ein. Sie stellte klar, dass weder die Schließung der Werke in Emden, Hannover, Neckarsulm und Zwickau noch eine konkrete Personal-Abbau-Zahl für Audi beschlossen worden seien. Die Arbeitnehmer-Seite habe dem Konzern-Vorstand keinen Blanko-Scheck gegeben, sondern einen Rahmen für die nun anstehenden Verhandlungen geschaffen. Diese würden bei Audi zwischen Betriebsrat und Unternehmen geführt.
Der Betriebsrat werde jede Forderung prüfen, jede Zahl hinterfragen und eigene Alternativen einbringen. Notwendige Veränderungen werde man nicht grundsätzlich blockieren. Zusätzliche Beiträge der Beschäftigten könne es jedoch nur geben, wenn ihnen verbindliche Perspektiven für Beschäftigung, Produkte und Standorte gegenüberstünden. "Die Zukunft von Audi wurde nicht beschlossen. Sie wird jetzt verhandelt", so Beck. "Und Beiträge ohne Perspektive wird es mit uns nicht geben." Der Betriebsrat werde die anstehenden Verhandlungen konstruktiv, aber mit der nötigen Klarheit und Konsequenz führen.
Audi-Vorstands-Chef Gernot Döllner betonte die Notwendigkeit tiefgreifender Veränderungen und machte deutlich, dass es angesichts der wirtschaftlichen Lage keine einfachen Versprechen oder Garantien geben könne. Für die langfristige Perspektive der deutschen Standorte sei entscheidend, die eigene Wettbewerbsfähigkeit grundlegend zu verbessern. "Die Automobil-Industrie befindet sich in einem fundamentalen Umbruch. Darauf müssen wir reagieren – und zwar jetzt", so der Audi-Boss. "Es ist die gemeinsame Verantwortung aller Audi-Standorte, dass wir auch in Zukunft profitabel wachsen, investieren können und Beschäftigung sichern. Dafür müssen wir heute die richtigen Entscheidungen treffen."
Insgesamt vier Mal im Jahr findet bei Audi eine solche Betriebs-Versammlungen statt. Diese Veranstaltungen dienen der umfassenden Information der Beschäftigten über die Tätigkeit des Betriebsrats sowie über die wirtschaftliche und soziale Situation des Unternehmens.





