Chrisam-Messe heute im Augsburger Dom: Erneuerung der Bereitschaft zum priesterlichen Dienst und Weihe der heiligen Öle für das Bistum.
(ty/pba) Dass die Feier der Eucharistie, das geistliche Leben und das seelsorgliche Wirken des Priesters untrennbar verbunden und aufeinander bezogen sind, dafür wollte Bischof Bertram Meier heuer bei der Chrisam-Messe den Blick und die Sinne besonders schärfen. "Diese ganzheitliche Sicht verhindert, dass der Priester eine gespaltene Persönlichkeit mit getrennten Kompetenzfeldern wird", betonte der Oberhirte der Diözese Augsburg – zu der auch Teile des Landkreises Pfaffenhofen gehören – an diesem Mittwoch im Hohen Dom, bevor das Weihe-Versprechen erneuert und die heiligen Öle für das Bistum geweiht wurden.
Der Bischof erteilte damit der mancherorts herrschenden Vorstellung eine klare Absage, dass sich der Dienst des Priesters in mehrere voneinander getrennte Kompetenzen, etwa eine gesondert für Liturgie, Soziales, Leitung und Spirituelles zur eigenen Lebensführung aufspalten lasse. "Gerade der Priester braucht eine Mitte", sagte er und verwies auf die Eucharistie-Feier als Quelle des ganzen christlichen Lebens und der Evangelisierung. Auf diesem Hintergrund liege es nahe, diese gerade für den Priester selbst, seine persönliche Spiritualität und sein Seelsorge-Handeln fruchtbar zu machen.
Die Chrisam-Messe setze daher für Bischof Meier ein Ausrufezeichen, dass die Kirche nicht ohne Sakramente, ohne Eucharistie leben könne, dass Gemeinden verhungerten ohne das Brot des Lebens. Ein Priester könne bei der Feier der Eucharistie zwar unterstützt, aber niemals ersetzt werden, hob er dessen stellvertretendes Tun an Christi statt hervor. So lud er die rund 200 Priester und Diakone, die Gläubigen aus den Dekanaten sowie eine große Schar von Firmlingen dazu ein, über den Zusammenhang zwischen der heiligen Messe und dem Alltag nachzudenken.
Unter den Schlagworten "Sich öffnen und hören", "Abgeben und Hingeben", Wandlung geschehen lassen", "Empfangen" und "Sich senden lassen" entfaltete Meier den Sinn und die Bedeutung der regelmäßigen Eucharistie-Feier für das Leben eines Priesters und damit gleichsam jedes einzelnen Gläubigen. Der letzte Ritus der Eucharistie-Feier sei die Aussendung der Christen, die durch Wort und Brot des Lebens gestärkt würden. "In Frieden sollen sie hingehen zu ihren alltäglichen Aufgaben in Familie, Beruf, Gesellschaft und zum Apostolat in ihrem Lebenskreis", so der Bischof.
Seinen Mitbrüdern dankte er für ihren treuen Dienst insbesondere in der Feier der heiligen Messe: "Sie hat Spuren in Euch hinterlassen. Immer mehr seid Ihr in die Tiefe der Eucharistie hineingewachsen. Eucharistie geschieht nicht nur im Gotteshaus, sondern auch draußen im Haus der Welt (…) freuen wir uns über unsere Berufung und vermeiden wir alles, was zur Gewöhnung und Abnützung führen kann."

Auf die Predigt folgte die Erneuerung der Bereitschaft zum priesterlichen Dienst und die Weihe der heiligen Öle. In einer feierlichen Prozession unter den Klängen des Heilig-Geist-Hymnus wurden diese in großen Gefäßen in den Altarraum getragen: Das Katechumenenöl brachten Mitglieder des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem zum Altar, das Krankenöl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik-Seelsorge und das Chrisamöl schließlich zwei ständige Diakone. Nach dem Gottesdienst wurden die drei heiligen Öle, insgesamt waren es nach Angaben der Diözese 100 Liter, in kleinere Behälter abgefüllt, versiegelt und an Frauen und Männer aus den einzelnen Dekanaten verteilt.
Musikalisch gestaltet wurde die Chrisam-Messe vom Karl-Kraft-Chor der Augsburger Domsingknaben und von Domorganistin Claudia Waßner. Der Chor unter der Leitung von Julian Müller-Henneberg sang die "Missa Psallite Deo" aus der Feder des – im Jahr 1978 gestorbenen – einstigen Domorganisten und Namensgebers des Ensembles.
Zum Hintergrund
Bei der Chrisam-Messe werden Chrisam, das Katechumenenöl und das Krankenöl geweiht. Chrisam wird bei der Taufe, der Firmung, der Priester- und der Bischofs-Weihe verwendet sowie bei der Altar-Weihe und der Glocken-Weihe. Mit dem Katechumenenöl werden die Taufbewerberinnen und Taufbewerber auf den Empfang der Taufe vorbereitet. Mit dem Krankenöl werden bei der Spendung des Sakraments der Kranken-Salbung die Kranken durch den Priester gesalbt, um sie zu stärken.





