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Der Dramatiker erhält das diesjährige Joseph-Maria-Lutz-Stipendium. Von ihm wird auch ein "Zwischenfall"-Text über die Kreisstadt erwartet.

(ty) Jetzt steht fest, wer in diesem Jahr das Joseph-Maria-Lutz-Stipendium der Stadt Pfaffenhofen erhält. "In der finalen Sitzung hat die Jury rund um den ehemaligen Kultur-Referenten und Schriftsteller Steffen Kopetzky eine Entscheidung getroffen", wurde am heutigen Freitag aus dem Rathaus gemeldet: "Peter Thiers wird für drei Monate in den Flaschlturm ziehen." Während seines Aufenthalts ist er dazu verpflichtet, einen "Zwischenfall"-Text über Pfaffenhofen zu verfassen. Dieser wird im Rahmen des diesjährigen Kultur-Sommers in der Kreisstadt vorgestellt.

Ende November hatte die Bewerbungsfrist für das anstehende Lutz-Stipendium in Pfaffenhofen geendet. Die Bewerberinnen und Bewerber waren dazu angehalten, eine bis zu zehn Normseiten umfassende Textprobe einzureichen. Laut heutiger Mitteilung der Stadtverwaltung wurden gut 85 Einsendungen aus dem deutschsprachigen Raum von der Jury begutachtet. Ende Januar habe die abschließende Sitzung zur Auswahl stattgefunden. Am heutigen Freitag, 6. Februar, wurde nun das Ergebnis per Presse-Mitteilung bekannt gegeben.

In der Sitzung habe unter den Mitgliedern rasch Einigkeit bestanden, heißt es da. Neben dem Jury-Jorsitzenden Steffen Kopetzky, selbst erfolgreicher Autor, gehörten dem Gremium der amtierende Kultur-Referent Reinhard Haiplik (ÖDP), die Galeristin Lea Heib sowie in diesem Jahr erstmals der Gymnasial-Lehrer Roland Scheerer an, der selbst auch schriftstellerisch tätig ist. Überzeugt habe die Jury der Text "Wo die See kein Ufer kennt" von Peter Thiers.

Im Flaschlturm.

"In seinem Text-Auszug wählt Thiers einen Einstieg, der bewusst Fragen offen lässt und Spannung im Hinblick auf den weiteren Verlauf der Erzählung erzeugt", erklärt die Stadtverwaltung. "Der Ich-Erzähler, Sohn eines Öltanker-Kapitäns, gewährt in der Rückschau eindringliche Einblicke in seine Kindheit, die zunächst von der liebevollen Zuwendung der Mutter sowie von der physischen wie emotionalen Abwesenheit des Vaters geprägt ist."

Peter Thiers sei Dramatiker. Sein Talent zeige sich auch bei seinen Prosa-Texten in der Fähigkeit, mit wenigen Protagonisten ein klares und für die Leserschaft leicht vorstellbares Setting zu entwerfen. Der literarische Raum erweise sich als äußerst zugänglich, die Sprache habe eine "gewisse Eleganz, jedoch ohne manieriert zu wirken". So entstehe ein dichtes Interesse an der klassisch erzählten Geschichte, in der die teils extremen Parallelwelten innerhalb einer Familie deutlich hervorträten.

Weiter heißt es: "Thiers gelingt es, aus der Perspektive eines Kindes emotional zu erzählen und diese Gefühlswelt auf die Lesenden zu übertragen. Die präzisen Schilderungen der kindlichen Fantasiewelt sowie das Changieren zwischen elterlicher Liebe und harscher Zurückweisung gestaltet Thiers eindringlich. Ein zentraler Spannungspunkt bleibt die offene Frage, wie der Protagonist mit der frühkindlichen Prägung im Elternhaus umgehen wird und wie sich die Geschichte im weiteren Verlauf entwickelt."

Überzeugt habe die Jury neben dem eingereichten Text die literarische Vielseitigkeit des Autors. Der 1991 geborene Peter Thiers sei in unterschiedlichen Genres tätig und arbeite derzeit unter anderem als Regisseur am Theater. "Die Vielfalt und Offenheit, mit der sich Thiers in seiner Bewerbung präsentiert, lassen zudem auf ein hohes Maß an kulturellem Engagement sowie auf fruchtbare Kooperationen und Interaktion mit Pfaffenhofen hoffen", so die Stadtverwaltung.

Der historische Flaschlturm von Außen.

Mit Spannung werde erwartet, wie der Autor mit seinem dramaturgischen Gespür alltägliche Erfahrungen und Beobachtungen während seines Aufenthalts in seinen Pfaffenhofener "Zwischenfall"-Text integrieren wird. Peter Thiers, der "literarische Kapitän" aus Hamburg, solle "frischen (See-)Wind in die Kleinstadt bringen". 

Er wird laut heutiger Mitteilung im Mai in den historischen Flaschlturm ziehen und die Sommer-Monate dort verbringen. Als Abschluss seines Stipendien-Aufenthalts stehe die Präsentation des Pfaffenofen-Textes – seines "Zwischenfalls" – im Rahmen des diesjährigen Pfaffenhofener Kultur-Sommers.

Peter Thiers studierte Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" in Leipzig und der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Für sein Drama "Warten auf Sturm" erhielt er 2019 den Kleist-Förderpreis für neue Dramatik. Sein Stück "Paradiesische Bauten", das mit dem Hamburger Literaturpreis 2020 ausgezeichnet wurde, brachte er in der Spielzeit 2020/21 am Thalia-Theater Hamburg in eigener Regie zur Uraufführung.

Im Jahr 2021 war er Finalist des 29. "open mike" und erhielt seit 2022 zahlreiche Stipendien, zuletzt im vergangenen Jahr das Stipendium des "writers' room" Hamburg und der "Kölner Schmiede" des Literaturhauses Bonn. Sein aktuelles Theaterstück "Zähne und Krallen" ist bereits an mehreren deutschsprachigen Theatern aufgeführt worden. Peter Thiers lebt in Hamburg.

Treppenhaus im Flaschlturm.

 


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